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Die ersten 100 Tage

[08.02.2005]

Wer heute einen Führungsjob übernimmt, hat selten eine Schonfrist, in der die eigene Arbeit nicht kritisch beäugt wird und in der man nicht einem offenen oder verborgenen Bewertungssystem ausgesetzt ist. Der Erfolgsdruck besteht vielfach vom ersten Tag an, und der Schritt nach oben ist nicht selten ein Sprung ins kalte Wasser.

Ist der Karrieresprung mit einem Wechsel des Arbeitgebers verbunden, stellt sich die Situation komplexer dar, als wenn man im eigenen Unternehmen neue Aufgaben übernimmt. Doch auch der zweite Fall ist nicht immer unproblematisch, besonders, wenn man als ehemaliger Kollege nun in der Führungsrolle ist.

Häufig ist der Wechsel im Management oder die Schaffung einer neuen Position damit verbunden, dass die neue Führungskraft auch gleich diverse Veränderungen einzuleiten hat. In Zeiten wie diesen sind das nicht selten einschneidende Rationalisierungsmaßnahmen. Doch auch wenn es um weniger vom Spargedanken geprägte Umstrukturierungen geht, sind Widerstände veränderungsresistenter Teile des Unternehmens zu erwarten.

Was entscheidet, ist wie in vielen anderen Lebensbereichen der erste Eindruck, den die neue Führungskraft vermittelt. Und je einschneidender die Veränderungen sein werden, die der neue Manager oder die neue Managerin einzuleiten haben, um so wichtiger ist es, dass sie gerade in der ersten Zeit die Sachaufgaben zurückstellen, in Meetings nicht gleich mit Fakten zur kritischen Ist-Situation kommen und mit dem Verkünden von Maßnahmen - auch wenn sie schon ein Bild davon haben, was sie konkret tun müssen - warten.

Auch wenn man Ihnen als neuer Führungsperson zur Begrüßung ein übersichtlich gestaltetes Organigramm in die Hand drückt: Die wirklichen Zusammenhänge und auch die Machtverteilung im Unternehmen können Sie aus Organisationsdiagrammen häufig genug nicht erkennen.Das finden Sie nur heraus, indem Sie mit den Mitarbeitern kommunizieren, Informationsgespräche mit Kollegen aus anderen Abteilungen führen und so Abläufe und Probleme kennen lernen. Zuhören ist in dieser Zeit eines der wesentlichen Management-Instrumente.

Dieser Prozess kann einige Monate dauern, und das sollten auch die Vorgesetzten der neuen Führungskraft wissen. Denn häufig herrscht hier eine Erwartungshaltung, die fast zwangsläufig zu gegenseitigen Enttäuschungen und zu vorschnellen Beurteilungen führt. In den ersten 100 Tagen ist vor allem eines wichtig: Es gilt, festen Boden unter den Füßen zu bekommen - und erst dann mit den Veränderungen zu beginnen.

Literaturtipp:
Petra Begemann:
Der erste Führungsjob
Wie Sie sich durchsetzen - wie Sie Fehler vermeiden.
Eichborn 2005 (erscheint in neuer Auflage im März 2005)
ISBN 3821858818
ca. EUR 9,-


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