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Personalentwicklung mit dem persönlichen Touch
[08.09.2004]
Karriere fördern mit Mentoring
Von Karina Matejcek
In den USA schon sehr lang gang und gäbe richtet sich auch bei uns die Aufmerksamkeit auf eine neue Form der Karriereförderung: das Mentoring. Ein “Ratgeber”, der Mentor, und ein “Ratsuchender”, der Mentee, setzen sich in einem zeitlich begrenzten Mentoringprojekt mit Karriereschritten und Persönlichkeitsentwicklung auseinander - und sie und ihre Unternehmen profitieren von dieser Form der professionellen Beziehung.
Mag. Andrea M., 29, ist Mitarbeiterin der Einkaufsabteilung der A. GmbH, eines Unternehmens, das Komponenten für die Fahrzeugindustrie herstellt. Das Unternehmen ist im Begriff, mehr Effizienz in den Einkauf zu bringen und vermehrt Führungskräfte für diesen Bereich heranzubilden. Andrea M. ist eine der Kandidatinnen für eine Führungsposition in der künftig erweiterten Einkaufsabteilung.
Die A. GmbH arbeitet mit verschiedenen strategischen Partnern zusammen. Einer dieser Partner ist die N.N. AG, ein internationaler Konzern mit Unternehmen in Europa und Asien.
Die N.N. AG hat gemeinsam mit der A. GmbH ein Förderprogramm auf die Beine gestellt, bei dem Mitarbeiter der Partner, die ihre Karriere weiterentwickeln möchten, von Mentoren des jeweils anderen Unternehmens begleitet werden. Andrea M. ist seit einigen Monaten in diesem Mentoringprogramm, ihr Mentor, Klaus R., 53, ist einer der Einkaufsmanager der N.N. AG.
Was ist Mentoring?
Mentoring beschreibt eine Form der Unterstützung zwischen zwei Personen: der Mentor oder die Mentorin steht einem Mentee in der Entwicklung ihrer/seiner beruflichen Kompetenz und ihrer/seiner Persönlichkeit zur Seite. Die beiden stehen dazu über einen Zeitraum von mehreren Monaten in einem Dialog. Regelmäßige Treffen im mehrwöchigem Abstand und Kommunikation per Telefon und E-Mail sind die Basis des Austauschs.
Mögliche Inhalte von Mentoring:
- Beratung in konkreten Situationen
- Feedback zu Verhaltensweisen
- Karriereplanung
- Gemeinsame Erarbeitung beruflicher Strategien
- Einführung in Netzwerke
- Vermittlung beruflicher Kontakte
- Wiedergabe der eigenen Erfahrungen des Mentors
- Teilnahme am beruflichen Alltag des Mentors, z.B. auch Begleitung auf Terminen
Die Vorteile für die/den Mentee: Sie/er erhält Erfahrungswissen aus erster Hand, bekommt branchenspezifische Ratschläge und Hinweise, erhält Einblick in die Karriereschritte des Mentors, lernt neue Menschen kennen, hat einen Gesprächspartner, der sie/ihn versteht und mit dem sie/er Karriere- und Entwicklungsschritte durchdenken kann.
Die Vorteile für den Mentor, die Mentorin: Er/sie kann sein eigenes Wissen und seine Erfahrungen reflektieren, erhält Einblick in Fragen und Bedürfnisse der nachfolgenden Generation(en), kann durch die Schaffung von Kontakten das Networking fördern und nicht zuletzt seine/ihre eigene Führungskompetenz erweitern.
Beiden Rollen gemeinsam ist der Blick über den eigenen Tellerrand, über Abteilungs- oder auch Unternehmensgrenzen hinweg. Wer sich als Mentor und Mentee zusammenfindet, zeichnet sich durch die Bereitschaft zum Austausch und zur Weiterentwicklung und als aktive und offene Persönlichkeit aus.
Es gibt verschiedene Arten des Mentorings:
Informelles Mentoring:
Mentor und Mentee finden sich auf eigene Initiative zusammen und vereinbaren individuell Dauer und Inhalt der Mentoring-Beziehung.
Formelles Mentoring:
Eine Institution vermittelt die Mentoring-Partner und gibt die Struktur der Mentoring-Beziehung vor.
Internes Mentoring:
Ein Unternehmen, eine Institution fördert Mentoring unter den Mitarbeitern/Mitgliedern. Wichtig: Es darf nicht der direkte Vorgesetzte als Mentor auftreten, der Mentor sollte mindestens zwei Hierarchiestufen über dem Mentee angesiedelt sein.
Externes Mentoring:
Die beiden Mentoring-Partner arbeiten in verschiedenen Unternehmen; das Mentoring wird von einer externen Organisation initiiert.
Cross-Mentoring:
Verschiedene Unternehmen bieten gemeinsam ein Mentoring-Programm an; Mentor und Mentee stammen aus unterschiedlichen Unternehmen, wie in unserem - fiktiven - Beispiel:
Andrea M. und Klaus R. treffen sich einmal im Monat zu einem zwei- bis dreistündigen Gespräch. Andrea M. berichtet von ihren Aktivitäten und Schritten, Klaus R. gibt Feedback und Anregungen. Dann legen sie gemeinsam fest, was in den nächsten Wochen umgesetzt werden soll. Zwischendurch wird bei Bedarf telefoniert oder sie tauschen sich per E-Mail aus.
Alle zwei Monate treffen sich alle Mentorinnen und Mentees aus den beiden Unternehmen - es gibt noch vier weitere “Paare”, wobei die Rollen auf beide Unternehmen verteilt sind - zu einem gemeinsamen Abendessen. Andrea M. begleitet Klaus R. manchmal zu Terminen (Betriebsbesichtigungen, Networkingtreffen, Messen), und Klaus R. hat ihr schon einige interessante Kontakte vermittelt, unter anderem zu anderen Abteilungsleitern seines Unternehmens. Demnächst wird Andrea M. ihren Mentor sogar an einen Standort des Unternehmens in China begleiten dürfen.
Das Mentoringprogramm ist vorläufig auf ein Jahr festgesetzt und zum Abschluss soll in beiden Unternehmen auf einer internen Veranstaltung darüber berichtet werden. Doch schon heute, ein halbes Jahr nach Beginn des Projekts, sind die Beteiligten von dem Programm überzeugt.
Die Vorteile für den Mentee Andrea M. liegen auf der Hand: Sie erhält Wissen aus erster Hand, kann sich bei der Planung ihrer Karriere im Einkauf von einem Profi mit internationaler Erfahrung unterstützen lassen und wird in ein Netzwerk eingeführt, zu dem sie allein den Zugang nicht so rasch gefunden hätte.
Die Vorteile für den Mentor Klaus R.:
- Er lernt die Unternehmenskultur der ABC AG besser kennen, kann sich also in Projekten, in denen strategisch zusammengearbeitet wird, schneller auf den Partner einstellen.
- Er hat einige Mitarbeiter und Führungskräfte der ABC AG besser kennen gelernt und auf diese Weise die Kooperation verbessern können.
- Sein Blick über den Tellerrand bringt ihm auch für die Schaffung von Karrieremöglichkeiten in seiner eigenen Einkaufsabteilung neue Impulse und Ideen.
- Die Zeit, die er in das Mentoring-Projekt investiert, ist auch für ihn gut eingesetzt und mit vielen Lerneffekten verbunden: Da das Mentoringprojekt von Coaching für die Mentoren begleitet wird, kann er auch selbst seine Rolle mehr und mehr für die Erweiterung seiner Führungskompetenz nützen.
Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.
Literatur zu Mentoring:
Nele Haasen: Mentoring. Persönliche Karriereförderung als Erfolgsrezept. Heyne 2001,
ISBN 2453180690. Schwerpunkt auf Mentoring für Frauen, aber insgesamt eine empfehlenswerte Lektüre mit sehr vielen Anregungen. Leider vergriffen, aber antiquarisch noch zu bekommen, z.B. bei www.amazon.de
Ann Junk: 30 Minuten für erfolgreiches Mentoring. Gabal 2004. ISBN 3897494485.

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