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Zukunft Einkauf – Trends in der Beschaffung 2010/2011
[09.06.2010]
Die Einkaufsabteilungen von Österreichs Top-1000-Unternehmen fürchten einen deutlichen Preisanstieg am Rohstoffsektor. Das zeigt die Studie „Zukunft Einkauf – Trends in der Beschaffung“, die Spring Procurement gemeinsam mit dem Institut für Transportwirtschaft und Logistik der WU Wien durchgeführt hat.
Deutliche Preissteigerungen bei Industriemetallen in den nächsten 18 Monaten, eine Erhöhung des Stahlpreises von knapp 20% bis Ende des Jahres und Verteuerung des Strompreises von durchschnittlich 9% bis Dezember 2010, so lautet die Einschätzung der befragten Einkaufsmanager. Zusätzlich sind die starken Preisschwankungen an den Rohstoffmärkten seit Beginn der Krise eine starke Belastung für den Rohstoffeinkauf der Unternehmen. Dies sind die Kernaussagen der Befragung. Darüber hinaus haben die österreichischen Unternehmen mit der zunehmenden Globalisierung und dem Wettlauf um Ressourcen und qualifizierte Mitarbeiter zu kämpfen.
Für die Studie wurden Einkaufsmanager der Top-1000-Unternehmen Österreichs zu ihrer Einschätzung in den Bereichen Rohstoffpreise, globaler Wettbewerb, Umweltbewusstsein/CO2-Effizienz, Kostendruck, Wettlauf um Ressourcen und Wettlauf um Talente befragt.
Ausgangssituation der österreichischen Unternehmen
Auf die Einkaufsabteilungen wirken unterschiedliche Faktoren ein, die die zukünftige Entwicklung beeinflussen und die Trends in der Beschaffung bestimmen. Obwohl sich die Stimmung in den Unternehmen verbessert - es wird mit einem deutlichen Wachstum nach der Krise gerechnet -, bestimmen die Aus- und Nachwirkungen der Wirtschaftskrise deutlich die aktuellen Herausforderungen und Maßnahmen.
Sahen sich die Unternehmen in der Vergangenheit vor allem einem Kostendruck durch Auftragsmangel gegenüber, so führt ein Anziehen der Konjunktur zu einem verstärkten Wettlauf um Ressourcen. Dies stellt österreichische Unternehmen vor besondere Herausforderungen, da sie in der Krise vielfach ihre Beschaffungsvolumen reduziert und gleichzeitig zur Steigerung der Liquidität die Beschaffungsfrequenz erhöht haben. Beim Anziehen der Nachfrage werden jetzt vor allem die Partner bedient, die entweder langfristige Lieferkontrakte abgeschlossen haben oder über hervorragende Lieferantenbeziehungen verfügen. Alle anderen schlagen sich um den Rest, was gerade im Rohstoffsektor zu einem verstärkten Wettbewerb und steigenden Preisen führt, zumal auch die Emerging Markets mit von der Partie sind.
Der globale Wettbewerb und die Volatilität an Rohstoffmärkten sind daher für die österreichischen Einkaufsmanager ein wichtiges Thema. Zugleich erwarten sie, dass sich die Beschaffungsregionen verlagern werden: Der deutschsprachige Raum wird als Sourcing-Region an Bedeutung verlieren, China und Indien, aber insbesondere auch Osteuropa werden stark zulegen; auch neue Sourcing-Regionen werden erschlossen. Damit einher geht eine Steigerung der Bedeutung des Einkaufs in den Unternehmen, allerdings auch der Bedarf nach Zusatzqualifikationen. Der Wettlauf um geeignete Talente wird sich verschärfen.
Darüber hinaus rückt das Thema „Green Sourcing“ stärker in den Blickpunkt: Umweltbewusstsein, CO2-Effizienz und Sustainability spielen bei den Beschaffungsentscheidungen eine immer stärkere Rolle, auch ausgelöst durch veränderte gesetzliche Vorgaben.
Diese Aspekte beeinflussen maßgeblich die Zukunft des Einkaufs in den kommenden Monaten und Jahren und bilden die Grundlage für die von der Studie ermittelten aktuellen Trends in der Beschaffung.
Preisanstieg bei Rohstoffen bis Ende 2011
Kurzfristig gehen die Einkaufsmanager der befragten Unternehmen von Preisanstiegen bei den wichtigsten Rohstoffen bis Ende 2010 aus. Auch im Jahr 2011 wird sich dieser Trend fortsetzen. Bei Energierohstoffen prognostizieren die Experten einen starken Anstieg des Rohölpreises und des Gaspreises. Während durchschnittlich 12% Preissteigerung bei Öl bis Ende 2010 zu erwarten ist, wird der Preis für Erdgas noch ein wenig stärker steigen. „Dies liegt primär daran, dass der Gaspreis mit sechsmonatiger Zeitverzögerung auf Rohölpreisanstiege reagiert und damit Erdgas die Ölpreisanstiege vergangener Monate noch aufholen muss“, sagt Figlhuber, Geschäftsführer der auf Einkaufsoptimierung spezialisierten Spring Procurement GmbH.
Ein ähnlicher Verlauf der Preise wird bei Industriemetallen beobachtet. „Aluminium, Kupfer und Stahl werden in den nächsten Jahren deutlich teurer werden“, prognostiziert Figlhuber. Im Mittel rechnen die Einkäufer damit, dass Kupfer und Aluminium bis Ende 2011 um knapp 18% teurer werden. Der Hunger Chinas nach Ressourcen sowie gestiegene Transportkosten durch stillgelegte Schiffskapazitäten während der Krise lassen Rohstoffpreise stark ansteigen.
Um sich für Preissteigerungen von Rohstoffen zu rüsten, setzt man am besten auf proaktives Verhalten. „Dabei ist es sinnvoll, schon vor den Hochpreisphasen an langfristigen Lieferantenbeziehungen zu arbeiten, sodass man in Zeiten der Verknappung überhaupt an Rohstoffe kommt“, sagt Figlhuber. Die Verknappung ist bereits jetzt stark spürbar und wird sich in den nächsten Monaten weiter zuspitzen. „Zusätzlich empfehlen wir den Aufbau eines schlagkräftigen Risikomanagements, sodass künftigen Kurs- und Währungsschwankungen durch Absicherung mit marktüblichen Finanzprodukten entgegengewirkt werden kann“, so Figlhuber weiter.
Neben der Preisentwicklung auf den Rohstoffmärkten beschäftigt sich die Studie mit grundsätzlichen Trends im Einkauf bis 2020. Hier zeichnen sich vor allem im Global Sourcing und in der Positionierung des Einkaufs innerhalb des Unternehmens starke Veränderungen ab.
Global Sourcing: Osteuropa, China und Indien gewinnen – Europa verliert
Die Veränderung der bevorzugten Beschaffungsregionen wird die Einkäufer bis 2020 stark beschäftigen. Mit über 60% nimmt der Beschaffungsmarkt DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz) derzeit noch eine überragende Rolle ein. Dieser Anteil wird sich bis 2020 auf 50% reduzieren. Damit wird der deutschsprachige Raum immer noch die wichtigste Beschaffungsregion bleiben. Regionen wie China, Indien und Osteuropa werden jedoch als Beschaffungsmärkte stärker an Bedeutung gewinnen. Dabei werden sich Unternehmen im internationalen Umfeld neuen Herausforderungen gegenübersehen. “Die Unternehmen müssen stärker denn je ihre Strukturen auf eine internationale Beschaffung ausrichten. Die Abhaltung von Sprachkursen ist dabei zu wenig”, warnt Figlhuber. Vermehrt ist der umfassende Aufbau von Know-how im internationalen Geschäft notwendig, um die Herausforderungen im globalen Einkauf als Chance zu nutzen.
Stellenwert des Einkaufs in Unternehmen steigt
Prof. Dr. Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der WU Wien, betont, dass sich der Stellenwert des Einkaufs in Zukunft deutlich verbessern wird. „Es ist davon auszugehen, dass die Einkaufsabteilung bis 2020 verstärkt Einfluss auf die strategische Unternehmensausrichtung nehmen und in strategische Entscheidungen miteinbezogen wird“, so der Experte. Davon gehen immerhin 85% der befragten Unternehmen aus. Ein Zeichen für einen höheren Stellenwert des Einkaufs ist auch das vermehrte Eingreifen des Einkaufs in die Produktion, und zwar bereits in den frühen Phasen der Produktentwicklung. Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen werden durch dieses proaktive Handeln des Einkaufs Einsparungspotenziale realisieren können.
Der höhere Stellenwert macht sich auch in einer Ausweitung der Kompetenz des Einkaufs bemerkbar. So gehen die österreichischen Einkaufsmanager davon aus, dass Maverick Buying (das Einkaufen ohne Einbeziehung der Einkaufsabteilung) bis 2020 von 24% auf 17% reduziert wird. Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, gehen sie doch davon aus, dass die Einsparungspotenziale hier bei 15% liegen. Eine Stärkung der Einkaufsabteilung, klare Richtlinien sowie Disziplin in der Organisation sollen helfen, diese Einsparungspotenziale zu realisieren. So wird zum Beispiel verhindert, dass Sekretärinnen die Preise für Flugtickets oder Büromaterial selbst verhandeln.
Bemerkenswert ist nach Ansicht der Studienautoren zudem, dass 97% der Unternehmen davon ausgehen, dass die Bildungsanforderungen an Einkaufsmitarbeiter steigen werden. Dieser gestiegene Stellenwert wird die Karrierechancen im Einkauf verbessern – davon gehen 64% der Einkaufsmanager aus. Unklar ist, ob sich dadurch die Mitarbeiterzahl im Einkaufsbereich erhöhen wird. Hier sind die Meinungen aufgrund des vorherrschenden Personalkostendrucks ausgeglichen.
Über Spring Procurement
Spring Procurement ist eine auf strategisches Beschaffungsmanagement spezialisierte Beratungsgesellschaft mit Sitz in Wien. Im Zuge von Einkaufsprojekten hilft Spring Procurement seinen Klienten, operativ die Einkaufskosten zu senken, um so die Wettbewerbsfähigkeit signifikant zu steigern.
Über das Institut für Transportwirtschaft und Logistik (ITL)
Das Institut für Transportwirtschaft und Logistik an der Wirtschaftsuniversität Wien ist eine der führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Transportwirtschaft und Logistik sowie des Supply Chain Managements in Europa. Im Zuge einer wissenschaftlichen und praxisbezogenen Lehre bildet das Institut hochqualifizierte Führungskräfte der Zukunft aus.

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