Zielstrebig
[08.06.2011]
Im Bewerbungsgespräch wird viel Wert darauf gelegt, zielstrebige Kandidaten zu identifizieren, die zum Unternehmen passen. Schaut man sich aber in den Abteilungen um, dann scheint dieser Zielstrebigkeit schnell der Garaus zu drohen.
»Zielstrebig« ... eine wünschenswerte Stärke, meinen Sie nicht? Im Bewerbungsgespräch wird gerne gefragt, wo sich der Kandidat in ein paar Jahren sieht. Zielstrebig an der eigenen Karriere zu arbeiten als wichtige Charaktereigenschaft?
Ein paar Monate später wandelt sich aber die Form der erwarteten Zielstrebigkeit: Die meisten Vorgesetzten wünschen sich durchaus zielstrebige Angestellte. Doch zielstrebig bedeutet in dem Fall nicht, vor allem auf die eigene Karriere und das eigene Wohl konzentriert zu sein, sondern auf die jeweiligen Firmeninteressen. Die eigenen Interessen sollen denen des Unternehmens (und natürlich auch denen der Führungskraft) tunlichst untergeordnet werden.
Daraus entwickelt sich unterschwelliges Konfliktpotenzial - vor allem dann, wenn Führungskräfte die Eigeninteressen der Mitarbeiter nicht berücksichtigen und die erwartete Form der “Zielstrebigkeit” nicht klar kommunizieren. Es gilt, einen Interessensausgleich zu schaffen. Andererseits tendiert die Zielstrebigkeit der Angestellten rasch gegen Null, wenn sie das Gefühl haben, nicht voran zu kommen. Und dies hat natürlich Auswirkungen auf die Gesamtproduktivität und das Arbeitsklima.
Entscheidend ist die Frage: “Welche Ziele habe ich? Und wie stehen diese persönlichen Ziele in Relation zur Erwartung des Arbeitgebers?”
Stellen Sie sich diese Fragen selbst: Würden Sie sich als zielstrebig bezeichnen? Wenn ja: Was sind dann diese Ziele? Wenn nein: Warum nicht? Was ist es dann, das Sie antreibt?
Studien zeigen, dass nur 5 Prozent aller Berufstätigen ein klares Karriereziel haben, das sie benennen und visualisieren können. Aber ohne diese Ziele gibt es auch keine erfüllende Zielerreichung - und damit keine Zufriedenheit: Jeder Läufer kann seine Kräfte nur dann sinnvoll einteilen, wenn er weiß, wo das Ziel ist - nicht umsonst spricht man von »zielgerichtet«. Läuft er blind in irgendeine Richtung, dann kann er noch so schnell laufen, aber zählbare Ergebnisse, Rekorde oder gar innere Zufriedenheit wird er so nicht erreichen.
Ziele zu haben - auch langfristig - ist daher entscheidend für den persönlichen Erfolg und die eigene Zufriedenheit. Sich nur zu sagen, man sei zielstrebig, reicht nicht aus.
Führungskräfte müssen daher die persönlichen Ziele der Mitarbeiter ebenso bei der Führungsarbeit berücksichtigen wie die Unternehmensziele. Nur so kann eine optimale Produktivität und hohe Mitarbeiterzufriedenheit erreicht werden.
Übrigens: Aus den schon erwähnten Studien geht auch hervor, dass diese 5 Prozent tatsächlich Zielstrebigen 70% des verfügbaren Einkommens erwirtschaften. Aber Geld ist natürlich nicht alles…

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