Working-Capital-Management: Optimierung wichtig
[03.10.2011]
Zwar gehen die meisten Konjunkturprognosen für die kommenden Jahre weiterhin von einem Wachstum der deutschen Wirtschaft aus, aber um weiter zu wachsen, benötigt der Mittelstand bis 2013 rund 50 Mrd. Euro an Kapital.
Dies zeigt eine Studie von Roland Berger und Creditreform. Eine weiterhin restriktive Kreditvergabe der Finanzinstitute sorgt jedoch für ein beschränktes Liquiditätsangebot. Dabei könnte ein optimiertes Working-Capital-Management im deutschen Mittelstand ein ungenutztes Liquiditätspotenzial in Höhe von 115 Mrd. Euro freisetzen.
Reduktion der Kapitalbindungsdauer nötig
Das Working-Capital-Management der meisten Unternehmen hat sich laut der Erhebung in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, doch es besteht noch ein erhebliches Optimierungspotenzial. Wenn Unternehmen es schaffen, die Kapitalbindungsdauer weiter zu reduzieren, können sie einen Großteil ihres erforderlichen Finanzierungsbedarfs abdecken und somit weiter wachsen.
Zwar hat sich in den vergangenen Jahren die Kapitalbindungsdauer in deutschen Unternehmen leicht optimiert - allen voran in größeren Unternehmen. Blieb 2009 das gebundene Kapital noch durchschnittlich 46 Tage in einem Großunternehmen, so waren es 2010 nur noch 43 Tage. Hingegen lag die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer im deutschen Mittelstand im Jahr 2010 immer noch bei 54 Tagen - eine leichte Verbesserung im Vergleich zu den 57 Tagen von 2009.
“Große Firmen haben die Bedeutung eines professionellen Working-Capital-Managements klarer erkannt. Diese haben aber auch eine viel größere Verhandlungsmacht und können vorteilhaftere Zahlungsziele bei den Dienstleistern durchsetzen”, so Hardy Gude, Volkswirt bei Creditreform, gegenüber pressetext. Kleinere Unternehmen hätten weniger Spielräume. Hinzu kommen die Kapitalgeberanforderungen. Bei Großunternehmen mit umfassender Rechnungslegung sind Liquiditätskennzahlen oft ein wichtiger Teil des Kreditvertrags.
Restriktivere Kreditvergabe
Der erhöhte Liquiditätsbedarf deutscher Unternehmen hat laut der Untersuchung verschiedene Gründe. Zunächst müssen Firmen mit ihrem Kapital den eigenen Umsatz vorfinanzieren. Aber nicht nur dies, oft ergeben sich attraktive Investitionsmöglichkeiten, die eine größere Liquidität voraussetzen. Das Problem ist, dass der hohe Liquiditätsbedarf oft mit dem beschränkten Angebot auf dem Markt kollidiert. So kämpfen Unternehmen aufgrund der verschärften Eigenkapitalvorschriften mit einer restriktiven Kreditvergabe der Banken. “Der Schatten von Basel III ist schon erkennbar, denn die Banken werden schon bei der Kreditvergabe vorsichtiger. Die Konditionen werden damit härter und teurer”, so Gude.
Um einem Wachstumsstopp aus Liquiditätsgründen entgegenzuwirken, raten die Experten zu einer gezielten Optimierung des Working-Capital-Managements. Das größte Potenzial zur Verbesserung liegt dabei in der Reduzierung der Vorräte, gefolgt von einer Verbesserung des Kundenforderungsmanagements. “Die Notwendigkeit einer Optimierung von Working-Capital.Management wird aber von immer mehr Firmen erkannt”, sagt Gude abschließend.
(Quelle: pte)

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