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Studie: Rohstoffe und Preisentwicklung

[08.09.2005]

imageZusammenfassung einer Studie der UBS Bank

von Dr. Josef Vlcek, ERPS (Europäisches Forschungszentrum für Einkauf & Logistik)

Vorkommen, Verwendung, Gestehungskosten und vor allem Nachfrage bestimmen die Preise der Rohstoffe als Basisprodukte der industriellen Produktion. Täglich steigende Benzinpreise zeigen uns die große Abhängigkeit von Erdöl als Rohstoff. Die Schweizer Großbank UBS hat im Mai 2005 aufgrund der aktuellen Entwicklung eine umfassende und aussagekräftige Studie über die wichtigsten Rohstoffe und deren Preisentwicklung erstellt, deren Ergebnis im Folgenden dargestellt wird.

Für die Preisentwicklung und das Angebot ist von Bedeutung, dass das Vorkommen bzw. die Erzeugung wesentlicher Rohstoffe auf viele politisch unstabile Regionen entfällt und schnelle Angebotserhöhungen meist nicht möglich sind. Da zwischen den einzelnen Rohstoffen nur begrenzte Zusammenhänge bestehen, werden diese in drei Teilen behandelt:

1. Energie
2. Basismetalle
3. Agrar-Rohstoffe

ENERGIE

Die heute wesentlichen Energiequellen sind Erdöl, Erdölprodukte, Erdgas, Kohle und elektrische Energie. Von entscheidender Bedeutung ist Erdöl.

Erdöl
Erdöl hat Kohle, die es in Überfluss gibt, abgelöst und bestimmt als Kohlenwasserstoff unser Leben bis zu schädlichen Umweltauswirkungen. Der Einkäufer von Erdölprodukten (Benzin, Kerosin, Diesel, Heizöl) ist im globalen Nachfragewettbewerb mit oligopolistischen Angeboten konfrontiert. Wenige stabile Staaten wie Norwegen, England und USA besitzen angebotswirksame Erdölvorkommen, während die Mehrzahl der Erdöllagerstätten in Staaten wie Saudi-Arabien, Iran, Irak, Venezuela oder Nigerien und Russland liegen. Angebotsbeschränkungen und Versorgungsschwierigkeiten können daher jederzeit aus politischen Gründen auftreten und das Preisgefüge beeinflussen. Daneben werden die Preise von Bedarfsschwankungen (strenger Winter in Europa und den USA), neuen Nachfragemärkten wie China und Indien und der Spekulation beeinflusst.

Das Erdölangebot ist auch durch die Förderkapazitäten, das Angebot an Erdölprodukten von den Raffineriekapazitäten beschränkt. Nach vorliegenden Untersuchungen können die vorhandenen bekannten Reserven bis 2050 ausgebeutet werden. Die Produktionsspitze, die erhebliche Investitionen erfordert, sollte bis 2015 erreicht werden. Ab diesem Zeitpunkt ist mit stark steigenden Kosten der Förderung zu rechnen. Hauptlieferanten werden Saudi-Arabien, Iran, Irak, der kaspische Raum, Russland und Nigeria, Venezuela sowie Libyen sein. Die übrigen Erdölstaaten sind nur kleinere Exporteure. Europa wird sich neben den USA, Japan, China und Indien als Erdölimporteur bemühen müssen, seinen Bedarf zu decken.

Da mit Ausnahme von Erdgas für gewisse Bereiche bisher noch kein gleichwertiger Ersatz gefunden wurde, werden auch kostenintensive Fördertechniken eingesetzt werden.

Das Auftreten von China und Indien (vorläufig in geringem Ausmaß) als große Interessenten hat einen Nachfrageschub bewirkt, der zu starken Preiserhöhungen führte. Eine schnelle Erhöhung des Angebots ist nicht in einem wesentlichen Ausmaß zu erwarten. Es ist daher mit nachhaltig hohen Erdölpreisen und sogar mit weiteren Steigerungen zu rechnen. Diese Preise werden Auswirkungen auf alle energieintensiven Produkte haben.

Erdgas
Erdgas ist in weit größeren Mengen als Erdöl vorhanden, kann gasförmig durch Pipelines oder tiefgekühlt flüssig in Schiffen zu den Verbraucherzentren transportiert werden. Die größten bekannten Vorkommen sind in Russland, Iran, Katar, Algerien und Norwegen gelegen. Österreich ist mit Russland, Algerien und Norwegen durch Pipelines verbunden und in Niederösterreich wird in leeren Erdgaslagerstätten Erdgas gespeichert. Versorgungsengpässe sind daher nicht zu befürchten.

Erdgas wird als Alternative zu Erdöl mit hohem Energiewert angesehen. Die Preise stehen in Relation zu Rohöl und Heizöl. Es sind daher auch für Erdgas steigende Preise zu erwarten.

Benzin und Heizöl
Beide Produkte hängen von der Erdölförderung und den Raffineriekapazitäten ab. Ihr Bedarf ist auch von saisonalen Schwankungen (Ferien bzw. Winterkälte) stark beeinflusst. Angesichts der knappen Raffineriekapazitäten, die ausgebaut werden sollen, ist auch hier mit schwankenden, steigenden Preisen zu rechnen, da die Verbesserung der Einkommenslage in Asien zu einer weiteren Motorisierung führt.

Elektrische Energie
Derzeit sind in Europa ausreichend elektrische Energieerzeugungsanlagen und Versorgungssysteme vorhanden. Für die Umstellung von thermischen Kraftwerken von Kohle auf Erdgas und zur Deckung des steigenden Bedarfs sind Investitionen notwendig. Ein erheblicher Teil des europäischen Stroms wird in Kernkraftwerken erzeugt, für die im Falle einer Schließung Ersatz geschaffen werden muss. Aufgrund der Interdependenz der Energie-Rohstoffe und mangels Speicherfähigkeit von elektrischer Energie ist mit einer moderaten, ständigen Steigerung des Strompreises zu rechnen.

BASISMETALLE

Die Basismetalle sind wichtige industrielle Rohstoffe, die in einer Reihe von Produktionen benötigt werden. Ebenso wie in der Erdölförderung wurden durch eine Periode tiefer Preise zu wenig Investitionen in die Gewinnung vorgenommen, sodass die Nachfragesteigerung zu starken Preiserhöhungen führte.

Kupfer
Dieses Buntmetall mit guter Korrosionsbeständigkeit und hoher elektrischer Leitfähigkeit wird vielfältig eingesetzt. Obwohl genug in der Erdkruste vorhanden, rechnet sich die Kupfergewinnung nur in wenigen Gebieten, da aus 1000 Tonnen Erz nur ca. 6 Tonnen Kupfer extrahiert werden können. Die größten Kupferminen liegen in Chile (37 %), Nordamerika und Indonesien. Lieferschwierigkeiten sind kaum zu erwarten.

Die starke Nachfrage durch die massive Industrialisierung in China, das selbst nur 20 % des eigenen Verbrauchs decken kann, hat im Jahre 2004 zu einem Preisanstieg von 60 % geführt, dem eine Produktionssteigerung von 5,5 % gegenübersteht. Eine Ausweitung des Angebots ist durch hohe Investitionskosten in neue Minen und geringe Lagerbestände eingeschränkt. Hält die hohe Nachfrage aus China weiter an, wird ein Preisdruck nach oben erwartet.

Aluminium
Der Rohstoff Aluminiumbauxit ist im Überfluss in Südamerika, Afrika, Australien und der Karibik vorhanden. Die Produktionsanlagen befinden sich, aufgrund des hohen Energieaufwandes - für 1 kg Aluminium sind mind. 16 KWH Strom erforderlich - in Gebieten mit reichlich vorhandenen und günstigen Energiequellen. Neben der Primärerzeugung wird Aluminium auch aus Recyclinganlagen gewonnen.

Auch hier ist der Schlüsselfaktor China, dessen Bedarf auf 20 % des Weltverbrauchs gestiegen ist und 2004 ein Angebotsdefizit auslöste. Eine Reihe von Investitionen in neue Hüttenanlagen lässt jedoch ein Ansteigen der Lagervorräte erwarten, sodass bei gleichbleibendem chinesischen Bedarf mit volatilen, aber nur mäßigen Preisentwicklungen zu rechnen ist.

Nickel
Die größten Erzlagerstätten befinden sich in Kanada (30 %), Russland, Neukaledonien, Kuba und Indonesien. Nickel wird in hohem Maße für die Stahlindustrie benötigt, und die Nachfrage nach rostfreiem Stahl bestimmt die Preisentwicklung.

Die Ausweitung der chinesischen Stahlproduktion über den eigenen Bedarf hinaus hat zu erheblichen Preissteigerungen geführt. Die weitere Preisentwicklung hängt davon ab, ob China seine eigene Nickelproduktion steigern kann, und von der weltweiten Stahlpreissituation. Kurzfristig ist ein weiterer Preisanstieg möglich.

Zink
Zinkminen gibt es auf der ganzen Welt. Hauptproduzenten sind Australien, Kanada, China, Peru und USA. Durch ein Überangebot bis 2003 kam es zu tiefen Preisen und zur Drosselung der Produktion. Das globale Metalldefizit 2004 führte neben einem Lagerabbau zu Preiserhöhungen, die sich kurzfristig fortsetzen könnten. Langfristig ist mit einer Erhöhung des Angebots zu rechnen.

Blei
Die traditionell vielfältige Verwendung wurde durch Umweltschutzbestimmungen wegen der Giftigkeit des Metalls stark eingeschränkt. Die Bleiproduktion ist rückläufig. Die kurzfristig hohe Nachfrage nach Blei in Asien, die zu Preissteigerungen führte, dürfte eine vorübergehende Entwicklung sein, da die Bestimmungen der EU und Japans Produkte mit hohem Bleianteil untersagen. Die längerfristige Preisentwicklung lässt Preissenkungen erwarten.

Zinn
Ein Metall, dessen Hauptabbau in China (40 % des Weltangebots) vorgenommen wird, hat 2004 auch eine Nachfragesteigerung erfahren. Die Produktion in China, Indonesien und Alaska liegt in Händen kleiner Erzeuger. Der wenig transparente Markt könnte in Zukunft steigende Preise bringen, da aufgrund der Bestimmungen der EU und Japans die industrielle Verwendung von Blei durch Zinn ersetzt werden dürfte.

Edelmetalle / Gold
Gold wird wegen seiner Qualitäten in der Industrie und Schmuckerzeugung eingesetzt und ist als Anlageobjekt begehrt. Die intensive Ausbeutung der Goldlagerstätten in der Vergangenheit und die hohen Kosten der Goldgewinnung führen zu einer geringen Weltproduktion, die zwischen 2477 Tonnen im Jahr 2004 bis geschätzten 2600 Tonnen im Jahr 2006 beträgt. Aus einer Tonne Golderz wird zwischen 1 g und 5 g Gold extrahiert, zum Teil durch äußerst umweltschädigende Verfahren wie Einsatz von Zyaniden. Die Nachfrage der Elektronikindustrie und Indiens übersteigt die Produktion und wird durch Abgaben der Notenbanken (Vorrat ca. 29.000 Tonnen) befriedigt.

Gold weist eine langfristig steigende Preistendenz auf. Starke Schwankungen sind durch Sicherungskäufe in Krisenzeiten und wegen Währungsentwicklungen möglich.

Silber
Silber ist weniger ein Edelmetall der Veranlagung als der Industrie. Es ist ausreichend vorhanden. Die Preisentwicklung steht in enger Relation zum Kupferpreis und folgt teilweise dem Goldpreis. Große Schwankungen sind eher nicht zu erwarten.

Platin und Palladium
Platin wird zur Schmuckerzeugung und vor allem für Auto-Katalysatoren verwendet. Hierfür kann es teilweise durch Palladium ersetzt werden. Die Lagerstätten des extrem teuren Platins sind in Russland, Südafrika (75 %), Kanada und Kolumbien gelegen. Platin ist im Verhältnis 2 zu 1 Million im Erz (Nickelerz bzw. Sperrylith) enthalten.

Die hohen Gestehungskosten gestatten nur eine mäßige Angebotssteigerung bei gleichbleibend hoher Nachfrage. Die Preisentwicklung von Platin tendiert nach oben, könnte aber durch den Umstieg auf das billigere Palladium gemindert werden. Bei Palladium, mit dem der Markt angemessen versorgt ist und wovon erhebliche Lagerbestände existieren, sollten keine Preissteigerungen auftreten, eher ist mit Rückgängen zu rechnen.

AGRAR-ROHSTOFFE

Die Agrar-Rohstoffe, die international gehandelt werden und von Bedeutung sind, umfassen: Kaffee, Kakao, Zucker, Getreide (Weizen, Reis, Mais), Baumwolle, Speiseöl und Ölsaaten, Sojabohnen und Nutztiere.

Der Agrarbereich ist durch Preiszyklen, eine Vielzahl von Anbietern, starke Regulierungen (EU, USA) und Sonderfaktoren wie Klima, Kriege und Politik der Regierungen geprägt.

Von Bedeutung sind Kaffee und Kakao aus tropischen Anbaugebieten mit hohem Arbeitsaufwand. Bei Kaffee ist mit steigendem Verbrauch und verknapptem Angebot mit leicht steigenden Preisen und ausreichender Versorgung zu rechnen. Bei Kakao ist ein jährliches Wachstum von 1,5 % gegeben. Die Preisentwicklung ist volatil von wetterbedingten Ernteergebnissen und politischen Faktoren (z.B. Elfenbeinküste) abhängig.

Zucker
Obwohl Zucker in Europa aus Zuckerrüben gewonnen wird, hat Zucker aus Zuckerrohr den größten Anteil an der Weltproduktion. Der größte Produzent ist Brasilien mit einem jährlichen Anstieg von 9 %. Weltweit besteht ein Überangebot an Zucker. Brasilien verarbeitet deshalb einen Teil seines Zuckers zu Treibstoff als Zwangsbeimischung zu Benzin. Für die EU, den größten Zuckerverbraucher, bestehen Importregelungen, die von der WTO bekämpft werden. China hat durch einen starken Verbraucheranstieg den Zuckerpreis etwas stabilisieren können. Aller Voraussicht nach ist mit Änderungen in der EU-Zuckerpolitik zu rechnen und nicht mit Preissteigerungen für die EU, eher mit einer Preissenkung.

PROGNOSE

Die Preisentwicklung für Rohstoffe wird sehr von der globalen wirtschaftlichen Entwicklung und dem Ausmaß der Nachfrage der asiatischen Staaten, besonders von China und Indien, abhängen. China und Indien haben einen größeren Bedarf an Erdölprodukten und Buntmetallen, als aus eigenen Vorkommen zur Verfügung steht. Mit Zunahme des Lebensstandards steigen die Motorisierung und der Verbrauch an höherwertigen Agrarprodukten.

Erdöl und Erölprodukte werden daher auch weiterhin unter Nachfragedruck stehen, mit der Folge hoher Preise, die Auswirkungen auf Erdgas und andere Energieformen haben werden. Auch zeitweilige Produktionsstörungen und Lieferschwierigkeiten könnten bei der Erdölversorgung von Europa auftreten. Dies ist bei Erdgas nicht zu befürchten.

Bei gleichbleibender Stahlnachfrage werden Kupfer, Nickel und Zinn stabile bis steigende Preise aufweisen. Bei Blei ist von sinkenden Preisen und bei Aluminium von volatilen, leicht fallenden Preisen auszugehen.

Eine hohe Abhängigkeit dieser Preise vom weltweiten Stahlabsatz und Stahlpreis ist gegeben.

Für Gold erwartet man längerfristig steigende Preise, etwa gleich bleibende bei Platin und Silber und eher fallende bei Palladium.

Bei Agrarprodukten ist die Entwicklung stark von der Marktöffnung abhängig. Mittelfristig ist mit Preissteigerungen bei Weizen, Reis und eventuell Kakao zu rechnen.

Die Preisentwicklung der Rohstoffe wird von der Konjunktur der Weltwirtschaft und von Krisen in unterschiedlicher Dauer beeinflusst. Für den Einkäufer im EU-Raum ist auch die Währungsrelation EURO zu US-Dollar zu beachten, da alle Rohstoffe in US-Dollar gehandelt werden.

Sicherungsmöglichkeiten bestehen in Vorratskäufen (mit eigenem und ohne eigenes Lager), Termingeschäften, meist bis zu einem Jahr, Sicherungsverträgen mit Fixpreisen und Währungsabsicherungsinstrumenten bei Banken. Die Kosten der Sicherung sind jeweils mit einer möglichen bzw. eingetretenen Preisveränderung zu vergleichen.

ENDE




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