SCM-Studie 2011
[28.10.2011]
Dem Supply Chain Management fehlt die strategische Früherkennung.
Die Hochschule München hat mit Unterstützung der Wassermann AG und dem BME eine Studie zur Komplexität im Supply Chain Management vorgelegt. Die Ergebnisse der Befragung deutscher Supply-Chain-Verantwortlicher offenbaren: Nur ein Fünftel der Unternehmen nutzt geeignete Mittel und Methoden, um Veränderungen in Beschaffungs- und Absatzmärkten frühzeitig zu erkennen. Die Herausgeber der Studie plädieren für eine stärkere Beachtung der dynamischen und der strukturellen Komplexität. Ihre Empfehlung: Deutsche Unternehmen sollten verstärkt auf die strategische Frühaufklärung zur Etablierung eines proaktiven Komplexitätsmanagements setzen.
Die zentrale Fragestellung der von Professor André Krischke von der Fakultät für Betriebswirtschaft der Hochschule München durchgeführten Studie lautete: „Welche Maßnahmen sollten Unternehmen zur Steuerung der Supply-Chain-Komplexität ergreifen, um ein profitables Wachstum abzusichern?“
Die anlässlich des Branchentreffs Vision-Days 2011 von der Hochschule München gestartete Umfrage mit nachfolgenden Fokusinterviews von 40 Logistik- und Supply-Chain-Managern deutscher Unternehmen zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der Befragten (74 Prozent) eine weitere Steigerung der Komplexität in der Logistikkette erwartet.
Die befragten Manager tendieren dazu, der Beherrschung der Komplexität Priorität vor der Vermeidung und Reduktion zu geben. Eine deutliche Mehrheit sieht in komplexen Supply Chains auch die Chance, Wettbewerbsvorteile zu erlangen – bei den befragten Tier 1- (direkter Lieferant eines OEM) und Tier 2-Unternehmen (Lieferant des OEM-Lieferanten) sogar 90 Prozent.
Befragt nach den Maßnahmen und Instrumenten im Bereich Komplexitätsmanagement, nennen fast 50 Prozent auf allen Stufen der Supply Chain die Prozessmodularisierung. Dennoch bleibt im Handel und bei den OEMs der Bestand der wesentliche Puffer. Tier-1- und Tier-2-Lieferanten setzen dagegen vermehrt auf Kapazitäts- und Zeitpuffer.
Professor André Krischke, Leiter der Studie, kommentiert die Ergebnisse: „Die befragten Unternehmen nutzen die Chance auf eine Früherkennung und Nutzung von Veränderungen nur unzureichend. Ansätze zum Umgang mit der dynamischen Komplexität wie Trend-Management, Szenario-Planung oder Simulation werden nur von einem Fünftel der Unternehmen eingesetzt.“
„Zur Nutzung der Chancen der dynamischen Komplexität muss die Supply-Chain-Strategie noch stärker in die Unternehmensstrategie integriert werden“, sagt Gunnar Gburek, Bereichsleiter Logistik beim BME. „Entsprechend dem Grad der dynamischen Unsicherheit müssen gezielte Instrumente der strategischen Frühaufklärung auch die wesentlichen Elemente der Supply Chain abdecken.“ Um hierzu Konzepte und Strategien zu erarbeiten und einen Leitfaden zu entwickeln, hat der BME einen Arbeitskreis gegründet, der den in der Studie aufgezeigten Themenkomplex vertieft.
Günter F. Baumann, Vorstand der Wassermann AG, sieht als positives Ergebnis der Studie, dass Komplexität tatsächlich überwiegend als Chance gesehen wird. „Wir sehen täglich in unseren Projekten, dass die Unternehmensplanung von Simulationen und dem Durchrechnen verschiedener Szenarien profitiert. In dem Maße, in dem Unternehmen das Problem der dynamischen Komplexität aktiv angehen, finden sie auch geeignete Methoden wie Standardisierung, Zentralisierung, Postponement (möglichst späte, kundenindividuelle Differenzierung eines Standardproduktes in verschiedene Varianten) und Mehrfachqualifikation, um ihre Risiken der Supply-Chain-Planung zu minimieren und neue Marktchancen schneller zu nutzen. Aus der Studie leiten wir ab, dass wir gerade Tools zu längerfristigen strategischen Simulationen und Planung alternativer Szenarien noch leichter verfügbar machen müssen.“
Die SCM-Studie 2011 “Komplexität als Chance” mit Abschlussbericht und Grafiken können Interessierte kostenfrei von Anne Wiegert erhalten: Telefon: +49 89 578399-251, E-Mail: ..
(Quelle: PM Wassermann AG)

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