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Russland – neue Wirtschaftsmacht

[18.12.2006]

Wirtschaftsmacht RusslandDr. Josef Vlcek, ERPS
Russland ist nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich bestrebt, eine deutliche globale Machtposition zu erlangen.  Davon zeugen nicht zuletzt zahlreiche Berichte über Gazprom oder der kürzlich kolporierte Einstieg des russischen Telekommunikationsriesens bei T-Com (der umgehend dementiert wurde).

Die Voraussetzung dafür, dass Russland in die Riege der globalen Wirtschaftsmächte aufschließen kann, wurden in den letzten Jahren geschaffen: Russland hat seine alten Staatsschulden zurückgezahlt. Das Staatsbudget weist seit einigen Jahren einen Überschuss von bis zu 5 % des BNP auf. Die angehäuften Währungsreserven haben mit 250 Milliarden Dollar weltweit die drittgrößte Position nach China und Japan erreicht. Aufgrund der dafür verantwortlichen hohen Rohstoffpreise und Exporterlöse weist die Handelsbilanz ebenfalls große Überschüsse auf.

Industrie und Rohstoffe

Die russische Industrie ist nach weitgehenden Umstellungen wieder in der Lage, ihre geänderten Produkte im Inland zu verkaufen. Im Rohstoffbereich wurden umfangreiche Investitionen vorgenommen, um die Exportfähigkeit herzustellen.

Russland besitzt als flächenmäßig größtes Land der Welt praktisch alle interessanten Rohstoffe: Erdöl, Gas, Erz, Nickel, Zink, Aluminium, Holz, Gold, Diamanten etc.
Die seit 1990 laufende Reformpolitik hat zu umfangreichen Privatisierungen geführt.

Problemfall Landwirtschaft

Ein Sektor ist aus dieser positiven Entwicklung ausgenommen: die Landwirtschaft. Nahrungsmittel werden daher weitgehend importiert.

Eine neue Mittelschicht aus den schlecht bezahlten Arbeitnehmern, insbesondere aus der jüngeren Bevölkerung entsteht, die einen hohen Grad an nicht befriedigter Nachfrage hat.

Bankensystem und Finanzen

Das Bankensystem mit inländischen, staatlichen und privaten, auch ausländischen Instituten arbeitet nach westlichen Grundsätzen. Die Geldversorgung ist ausreichend, Geldkredite werden vergeben.

Die Inflationsrate wird offiziell mit 8 - 9 % angegeben, beträgt tatsächlich 12 % und dürfte auch 2007 in dieser Größenordnung bleiben.

Der Rubel ist voll konvertierbar und hat an Wert gewonnen. Kreditkarten sind weit verbreitet.

Dem gegenüber steht ein erheblicher Staatseinfluss, besonders im Rohstoff- und Bankensektor. Russland ist interessiert an westlicher Technologie und auch an Kapital, möchte aber einen entsprechenden Einfluss ausüben. Dies kann durch Beteiligung, aber auch Beschränkung der Tätigkeiten mit Auflagen (z.B. Umwelt) erfolgen. Bei Aktivitäten im Rohstoffbereich ist dies zu beachten und mit dem russischen Staat zu kooperieren.

Andererseits beabsichtigen russische Investoren durch Erwerb, Beteiligung oder Kooperation an westlichen Firmen, Know-how zu erwerben.

In den Anrainerstaaten Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan investieren russische Unternehmen, insbesondere im Rohstoffsektor (z.B. Gazprom).

Partnerschaften und Investitionen

Internationale Unternehmen aus Deutschland als bevorzugten Partner der USA, von Japan und Großbritannien investieren in russische Industriebereiche. Die dazu nötigen einheimischen Arbeitskräfte sind vorhanden und besitzen eine gute Ausbildung, vor allem im technischen Bereich. Im Rohstoffbereich werden aussichtsreiche Fundstätten erwartet, da die Prospektion erst begonnen hat. Im Umweltbereich und der Infrastruktur sind große Investitionen notwendig und zu erwarten.

Für das Russland-Geschäft bedarf es jedoch der Berücksichtigung einiger Faktoren:

  • Russen wollen als gleichberechtigte Partner angesehen werden.
  • Persönliche Relationen sind herzustellen.
  • Kenntnisse der russischen Geschichte (vor dem Kommunismus) sind von Vorteil.
  • Verhandlungen werden langwierig und umsichtig geführt.
  • Verhandlungsergebnisse (Verträge) grundsätzlich eingehalten.

Rechtssystem

Die Gesetze wurden nach westlichen Grundsätzen reformiert. Verwaltung und Gerichte arbeiten jedoch langsam und teilweise noch in alter Form. Korruption ist ein Thema bei großen Geschäften. Die persönliche Sicherheit ist grundsätzlich gegeben, Vorsicht ist bei staatskritischen Äußerungen zu empfehlen.
Eine enorme Aufgeschlossenheit und ein großes Interesse an der westlichen Wirtschaft erleichtert in der Regel die Geschäftsanbahnung als neuen großen Markt im Osten.

Die in Kürze vorgesehen Aufnahme Russlands in die Welthandelsorganisation WTO (World Trade Organization) wird eine weitere Ausdehnung der Geschäftsbeziehungen mit ausländischen Partnern bringen.

Autor: Dr. Josef Vlcek, ERPS
Das ERPS (European Center for Research in Purchasing and Supply, Wien) ist ein nicht gewinnorientierter Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Studien auf dem Gebiet des Einkaufs und des Beschaffungswesens zu verfassen und zu publizieren, um damit Einkaufsmanagern in ihren beruflichen Tätigkeiten und Unternehmen eine Unterstützung anzubieten.




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