Roadpricing: Busunternehmer wehren sich gegen Gleichstellung

[26.11.2003]

Von der Politik im Stich gelassen fühlen sich die heimischen Busunternehmer am Vorabend des Branchen-Schicksalsjahres 2004.” Kostensteigerungen von bis zu 25 Prozent durch die Einführung des Road-Pricings für Busfahrten auf Autobahnen und Schnellstraßen ab 1. Jänner sowie ein verschärfter Wettbewerb durch den freien Marktzugang für Busunternehmern aus den neuen EU-Staaten ab 1. Mai machen der Branche in österreich das überleben schwer.



“Jetzt geht es für die Busbranche darum, in der ‘wirtschaftlichen Europaliga’ am Ball zu bleiben und einen starken Zug zum Tor zu entwickeln!”, resümierte Fachverbandsgeschäftsführer Paul Blachnik den Tenor einer Podiumsdiskussion im Rahmen der am Dienstag in Wels eröffneten Bundestagung 2003 der Autobusunternehmungen.

Beide Entwicklungen - sowohl die Einführung des Road-Pricings als auch die EU-Erweiterung - seien nicht mehr zu stoppen, sagte Busunternehmer Ing. Johann Sklona in der von Ronald Barazon geleiteten Diskussionsrunde. Entscheidend sei jedoch das “Wie”. Aus dem anfänglich in Diskussion gebrachten “Road-Pricing für den Lkw-Schwerverkehr” wurde dann in relativ kurzer Zeit auch eine Busmaut. Anders als in Deutschland, wo nur die Lkw zur Kasse gebeten
werden.

Road-Pricing habe österreich die höchste Busmaut-Abgabe in ganz Europa gebracht, kritisierten die Busunternehmer. Die Preissteigerungen würden bis zu 25 Prozent betragen: “Solch einen Aufschlag würden Kunden aus der Tourismusbranche wohl kaum akzeptieren.”

Erwartungen der Branche seien schon zu oft enttäuscht worden, meinte Busunternehmer Komm.Rat Heinz Sramek aus Wien, weil der Bus zum eigenen Nachteil mit gesetzlichen Lkw-Maßstäben gemessen werde. Das gelte etwa auch für die nicht zeitgemäßen Gewichtslimits bei Bussen.

Anders als Lkw sind moderne Busse durch neue EU-Sicherheitsvorschriften in den vergangenen Jahren um bis zu 0,5 Tonnen schwerer geworden. Das gesetzlich erlaubte Höchstgewicht für Busse habe mit dieser Entwicklung in österreich nicht Schritt gehalten.

Das Resultat sind Anhaltungen, penible Kontrollen der Exekutive und verärgerte Fahrgäste in vermeintlich “überladenen” Bussen. Evo-Bus-Entwicklungschef Dr. Reinhard Schreiber trübte jedoch die Hoffnung auf Besserung: “EU-weit einheitliche Gewichtsnormen sind in näherer Zukunft nicht zu erwarten!” Auch die Hoffnung auf nationale Gesetzesänderungen scheint zu schwinden.

An die Vernunft und an die Eigeninitiative der Unternehmer appellierte Fachverbandsobmann Komm.Rat Karl Molzer. Er forderte die rund 300 Branchenkollegen, die zu der gemeinsam mit der Oberösterreich Touristik in Wels ausgerichteten Bundestagung erschienen waren, dazu auf, Belastungen, die durch das Road-Pricing entstehen, weiterzuverrechnen und sich mit innovativen Angeboten für den Wettbewerb mit den Unternehmen aus den neuen EU-Ländern zu rüsten. “Die Fuhrparks der tschechischen Unternehmer sind auf dem letzten Stand. Das wird ein beinharter und, für uns, vor allem in den ersten Jahren nicht unbedingt fairer Wettbewerb!” Denn das Lohnkosten-Niveau in der Busbranche der EU-Beitrittstaaten liege derzeit nur bei einem Drittel von jenem in österreich.

Wie berichtet, ist mit dem Beitritt für alle neuen EU-Staaten die Bus-Kabotage, wonach beispielsweise ein ungarischer Unternehmer ohne Niederlassung in österreich eine Fahrt von Wien nach Linz durchführen darf, erlaubt. Für den Verkehrsökonomen Max Herry eine sehr gefährliche Regelung: “Grenznahe Busunternehmen in Klein- und Mittelbetriebsgröße haben da kaum eine Chance!” In EU-Distanzen gemessen, erscheine freilich nahezu ganz österreich als “grenznahe Region”. Eine geografische Lage, die für die Busbranche auch eine
große wirtschaftliche Chance darstelle.

Wolfgang Gramann, Generalsekretär des österreichischen Fußball-Bundes, gab der Busbranche einen Einblick in die Tourismus-Prognosen für die Fußball-EM 2008 in österreich und in der Schweiz. Dieses drittgrößte Sport-Ereignis der Welt bringe österreich eine knappe Million Nächtigungen außerhalb der Hauptreisesaison. Viele Fangruppen werden aus den neuen EU-Staaten erwartet, für die zum ersten Mal eine EM “quasi vor der Haustür” stattfindet. Sofern die Herausforderungen “Road-Pricing” und “EU-Erweiterung” erfolgreich bewältigt werden können, biete die “EM der kurzen Wege” dem Busgewerbe die Chance, auch in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts wirtschaftlich “am Ball” zu bleiben. [ots/wko]


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