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Risikomanagement in der Lieferkette
[12.01.2004]
Risiken: integrierter Bestandteil des Supply Chain Managements
von Karina Matejcek
Die Optimierung der Supply Chains sowie die immer stärkere Arbeitsteilung innerhalb komplexer Supply-Netzwerke führen zu einer Effizienzsteigerung innerhalb der Lieferkette. Informationen fließen unablässig in “Echtzeit” über die globalen Kanäle; Warenströme werden durch digitale Systeme minuten-, stunden-, tagesgenau über den gesamten Erdball gesteuert. Die Lieferketten werden immer länger.
Vom Ursprungsort der Waren bis zur Ankunft am Bestimmungsort sind zahlreiche Schnittstellen zu passieren - für die Waren selbst wie auch für die Daten und Informationen, die diese Waren begleiten.
In der Theorie kann man sich immer noch exaktere Supply Chains ausdenken, immer “effizienter” werden, noch schneller, noch “zeitgerechter”.
Doch schon heute stößt das Supply-Chain-Management in der Realität an seine Grenzen, sobald höhere Gewalt ins Spiel kommt, sobald unvorhergesehene Ereignisse wie Unfälle, Terroranschläge, Naturkatatrophen direkt oder indirekt auf die Lieferkette wirken. Brände in Zulieferbetrieben, Schiffskatastrophen, Flugzeugabstürze, Tierseuchen, Stürme, Hochwässer und Trockenheit: neben den menschlichen Tragödien, die mit solchen Ereignissen verbunden sind, kommt es durch Unterbrechungen von Transportwegen. Die Vernichtung von Gütern führt zu Krisen in Unternehmen, die weitreichende Folgen haben, welche sich in Kettenreaktionen oder üder den Domino-Effekt fortpflanzen.
Spätestens während der Neunziger Jahre wurden die Management-Experten in Theorie und Praxis auf die Notwendigkeit des Risikomanagements in Zusammenhang mit Supply Chains aufmerksam. Mit den Ereignissen des September 2001 kam es weltweit zu einer Sensibilisierung für diese Problematik.
Und gegenwärtig werden wohl die Einflussfaktoren “Terrorismus” und “Naturkatastrophen” zu den Haupttriebkräften für die Beschäftigung mit dem Thema “Risikomanagement in der Supply Chain”.
Die wirtschaftlichen Auswirkung möglicher Krisen in der Planung von Lieferantenpools oder in der Entscheidung für Zulieferer sind einfach zu gravierend, als dass dieses Thema besonders in global operierenden Unternehmen vernachlässigt werden dürfte.
Uta Jüttner, Senior Research Fellow an der School of Management in Cranfield, UK, beschreibt in einem für Praktiker sehr interessanten Aufsatz im Handbuch Beschaffung, Hanser, 2003 die Ergebnisse einer Untersuchung der britischen Cranfield School of Management im Zeitraum Juni bis Oktober 2001. Die Studie befasst sich mit dem Wissenstand der Supply-Chain-Manager sowie mit dem Entwurf künftiger Führungsinstrumente in Sachen Risikomanagement.
Das Eingehen von Risiken sei nicht nur ein unvermeidbarer Bestandteil des Supply Chain Managements, sondern auch eine Erfolgsvoraussetzung: “Folglich ist es unabdingbar, dass Unternehmen bereits bei der Strategieentwicklung die immanenten ‘Risikotreiber’ erkennen und laufend überwachen.”
Als Risikotreiber wurden identifiziert:
- Globalisierung
- Zentralisierung bei der Produktion und Distribution
- Reduktion der Zahl der Lieferanten
- Outsourcing
Um diese Komplexität im Management der Supply Chains zu bewältigen, bedürfe es eines ausgeprägten Verständnisses dessen, wie Netzwerke funktionieren. Wissen über Prozessintegration und Kooperation müsse aufgebaut werden. Und es sollte die Fähigkeit vorhanden sein, Strategien zur Risikobewältigung zu entwickeln und umzusetzen. Solche Strategien können sein:
Vermeidung
- von geografischen Gebieten
- von Produktteilen
- von Organisationen
Flexibilität
- durch Postponement (Verschiebung)
- durch Multiple Sourcing
- durch Local Sourcing
Kontrolle
- durch zusätzliche Lagerbestände
- durch parallele Prozesse
- durch vertragliche Absicherung
Ein Führungsinstrument zur Bewältigung von Krisen und Risiken ist entsprechend komplex, stellt aber durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis eine sehr spannende Herausforderung für den Supply-Chain-Manager dar.
Die Abschätzung der Folgen von Ereignissen, deren Bilder täglich über unsere Bildschirme flimmern, in ihren Auswirkungen für das eigene Business; die Entwicklung von Szenarien im Zuge von Entscheidungen für oder gegen Lieferanten, Regionen, Produktionsauslagerungen etc. bringt eine Vielzahl von Disziplinen an einen Tisch: von Wirtschafts-, Natur- und Geisteswissenschaften bis zum Praktiker, der sich täglich entscheiden muss, welche Route seine Bestellung oder seine Lieferung nehmen soll.
Literatur:
Uta Jüttner: Risiko- und Krisenmanagement in der Supply Chain
In: Handbuch Beschaffung, Hanser, 2003. S. 775 ff.
Peter L. Bernstein: Wider die Götter
Die Geschichte von Risiko und Riskmanagement von der Antike bis heute
DTV, 2002
Anleger kaufen Aktien, Flugzeuge durchqueren den Himmel in Höchstgeschwindigkeit, Geschäftsleute bringen neue Produkte auf den Markt - Menschen gehen Risiken ein, wägen Zukunft ab. Wahrscheinlichkeitsberechnung, Risikosteuerung und Risikobereitschaft sind grundlegende Charakteristika der modernen Gesellschaft.
Peter L. Bernstein zeichnet die Entwicklung von der Antike bis heute nach und stellt auf anschaulichste Weise dar, wie die berühmten Erfinder und Wissenschaftler den Weg zum modernen Riskmanagement geebnet haben.
Er erklärt verständlich und leicht nachvollziehbar die Begriffe und Methoden der Wahrscheinlichkeitsberechnung, macht den Unterschied zwischen Spiel und Investition, Schicksal und Geschicklichkeit, rationalen und irrationalen Entscheidungsmustern deutlich und zeigt anhand vieler, insbesondere aktueller Beispiele, wie Fehlprognosen und Verluste entstehen. [Verlagsinfo/Amazon]

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