RFID-Roundup März 2008
[07.03.2008]
RFID war eines der spannendsten und am meisten beachteten Logistik-Themen in den vergangenen Jahren. Anlässlich der CeBIT und der bevorstehenden Hannovermesse Industrie ein Blick auf aktuelle Themen, Trends und Einsatzgebiete.
“RFID wird die Logistik in Handel und Industrie komplett revolutionieren”, so die Befürworter. “RFID ist eine Gefahr für jeden Konsumenten, dessen Einkaufsgewohnheiten und Produktnutzung unbemerkt per RFID überwacht werden können”, so Gegner der Technologie.
Radiofrequenz-Identifizierung (RFID) - das bedeutet zunächst einmal nur den Einsatz von Funk-Etiketten, die berührungslos ausgelesen werden können. Anders als Barcode-Systeme können RFID-Tags dabei wesentlich mehr Informationen speichern. Und anders als beim Barcode auf Konservendosen hat jedes RFID-Tag eine eigene Seriennummer, ist also weltweit einmalig.
Gartner Studie: weltweiter RFID-Umsatz überschreitet 2008 1,2 Milliarden US-Dollar
Das Marktforschungsunternehmen Gartner hat im Februar 2008 eine Studie veröffentlicht, nach der der weltweite Umsatz mit RFID-Technologien und -Lösungen im Jahr 2008 mehr als 1,2 Mrd. US-$ betragen wird. Damit würde der Markt um rund 31 Prozent gegenüber 2007 wachsen. Bis zum Jahr 2012 soll der RFID-Umsatz laut Gartner auf 3,5 Mrd. US-$ steigen.
Das Marktforschungsinstitut sieht eine stärker ertragsorientierte Geschäftsorientierung, die aktuelle RFID-Projekte kennzeichnet. Frühe Projekte waren vor allem Machbarkeitsstudien. Mit der zunehmenden Ausrichtung an wirtschaftlichen Belangen sieht Gartner auch einen wachsenden Druck auf Technologielieferanten, günstigere Lösungen zu entwickeln. Für den Masseneinsatz und den Ersatz bestehender Barcode-Lösungen auf breiter Front ist die RFID-Technologie in vielen Bereichen noch zu teuer.
Zugleich aber sind viele neue RFID-Projekte davon geprägt, dass Unternehmen nicht mehr nur einen Ersatz der bisherigen Lösungen suchen, sondern neue, innovative Business-Modelle entwickeln, die die Möglichkeiten der RFID-Technologie besser ausnutzen.
Trotzdem sieht Gartner den RFID-Markt noch nicht in einer Reifephase: Viele Unternehmen befinden sich erst in der Erprobungsphase. Potenzielle Nutzer sind zum Teil vorsichtig, da sie schlechte Erfahrungen mit anderen, früher gehypten Technologien machen mussten und nun abwarten, bis Funktionalität und ROI-Modelle sich bewährt haben.
Dabei behindert den Markt neben den vergleichsweise hohen Kosten auch, dass der RFID-Markt stark segmentiert ist und es keine schlüsselfertigen End-to-End-Lösungen zu kaufen gibt. Laut Gartner ist eine Konsolidierung des Marktes 2008 zu erwarten.
RFID zur Gepäckverfolgung am Londoner Flughafen Heathrow
Eines dieser Markthindernisse - die unklare Interoperabilität - wird derzeit am Flughafen Heathrow untersucht. Die Betreiberfirma BAA des Londoner Flughafens erprobt zusammen mit der Fluglinie Emirates und dem Technologiepartner Motorola den Einsatz von RFID-Technologien zur Gepäckverfolgung.
Bei dem Pilotprojekt wird das Reisegepäck von Passagieren auf der Strecke Heathrow-Dubai mit RFID-Tags versehen. Ziel ist es, das Gepäck an jeder Stelle des Transportweges automatisiert lokalisieren, kontrollieren und sortieren zu können.
Im Rahmen des Projektes soll die Kompatibilität verschiedener RFID-Lösungen untersucht und das Zusammenspiel der unterschiedlichen Komponenten analysiert werden.
Sollten die Tests erfolgreich verlaufen, sieht die BAA in der RFID-Technologie ein Modell, mit dem das bisher weltweit eingesetzte Barcode-System in absehbarer Zukunft ersetzt werden könnte. Ein Vorteil der RFID-Tags besteht darin, dass sie wesentlich mehr Informationen kodieren können als klassische Barcode-Anhänger. Hierdurch sind ganz neue Anwendungsmöglichkeiten denkbar, die die Beförderung und Kontrolle des Fluggepäcks vereinfachen können.
RFID-Einsatz in der Lagerverwaltung
Einen Schritt weiter ist Ford: Der Automobilhersteller hat in seinem Rover-Werk in Großbritannien eine RFID-basierte Güterverwaltungslösung eingeführt. Mit dem System sollen der Gütereinsatz und die Logistik verbessert werden. Die RFID-Lösung soll beispielsweise die Zeit zum Auffinden von Bauteilen verringern und so Montageunterbrechungen reduzieren helfen.
Die Lösung wurde in Kooperation mit dem Anbieter Savi entwickelt, einem zum Rüstungskonzern Lockheed Martin gehörenden Unternehmen. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch die Universität Warwick.
In einer zweiten Phase des Projektes sollen auch Zulieferer in das Modell einbezogen werden. Dann sollen spezielle Transportbehälter jederzeit auf dem Weg zwischen Zulieferern und Land Rover sowie innerhalb des Werkes selbst geortet werden können. Echtzeitinformationen über Bestände und Positionen der mit RFID-Etiketten versehenen Güter sollen dann allen Partnern zur Verfügung stehen und auch über mobile Endgeräte mittels einer internetbasierten Verfolgungssoftware abgefragt werden können.
RFID für die Leserforschung
Mittels eines RFID-Chips hat die Zeitschrift Focus untersuchen lassen, auf welche Art und Weise die Zeitschrift von den Lesern genutzt wird. Mit einem transparenten RFID-Chip in der Größe einer Briefmarke wurde auf jeder Zeitschriftendoppelseite gemessen, wie lange ein Nutzer auf einer Seite einer bestimmten Ausgabe verweilt, wie lange er sie liest, wie oft er diese Ausgabe weglegt, wie oft er sie wieder zur Hand nimmt und welchen Beitrag er als ersten, zweiten oder später liest.
Die Hefte waren auf jeder Doppelseite mit einem kleinen RFID-Chip präpariert und wurden dann in einen Magazine Reader eingespannt. Mittels des Magazine Readers wurden die Lesevorgänge jeder Person im Testhaushalt, die in dem Heft gelesen hat, zeitlich genau aufgezeichnet. Erstmals wurden so der Kontakt und die Dauer des Kontaktes mit jeder einzelnen Seite in einem Heft minutiös gemessen. Die Gesamtnutzungsdauer pro Heft, Mehrfachkontakte pro Heft, die Präferenzen für bestimmte Beiträge lassen sich auf diese Weise ermitteln. Insgesamt gibt es aber auch noch eine Reihe von Fehlerquellen, die es in Zukunft zu beheben gilt. So fühlt sich etwa der Leser im Augenblick durch das Lesegerät im üblichen Lesevorgang noch etwas behindert.
Die Technologie zu dem neuen Verfahren haben die beiden Unternehmen RF-iT Solutions aus Österreich und Magellan Technologies aus Australien entwickelt. Verantwortlich für die Durchführung des Experiments bei den Lesern war das Institut MediaMarktAnalysen aus Frankfurt.
METRO Group mit größtem RFID-Einsatz im europäischen Handel
Schon im Oktober vergangenen Jahres hat die METRO Group einen großen Schritt hin zur flächendeckenden operativen Nutzung der RFID-Technologie in Deutschland abgeschlossen. An 180 Standorten der Vertriebsmarken Metro Cash & Carry und Real sowie in den Zentrallägern der MGL METRO Group Logistics können Anlieferungen nun automatisch registriert werden. In diesem Jahr ist die Umstellung der restlichen Standorte geplant. Es handelt sich um den größten operativen Einsatz der Technologie im europäischen Handelssektor.
Mit RFID-Etiketten auf jeder Versandpalette können Lieferungen in Sekundenschnelle auf Vollständigkeit überprüft werden. RFID-Lesegeräte an den Wareneingangstoren können ankommende Paletten selbständig erkennen und identifizieren. Mit Hilfe einer Software wird überprüft, ob eine Lieferung der Bestellung entspricht, bevor diese im Warenwirtschaftsystem verbucht wird. Auch die Lieferungen von den Lägern in die Märkte der METRO Group werden so mit RFID überprüft. Durch die verbesserten Prozesse werden Fehllieferungen vermieden und die Genauigkeit der Bestandsinformation erhöht.
Die Vorteile von RFID liegen auch bei den Lieferanten, zum Beispiel bei der Warenausgangskontrolle. Zudem wird der Datenaustausch mit dem Händler erleichtert. Mehr als 180 Lieferanten beteiligen sich bereits, mit allen anderen werden Gespräche geführt. Die METRO Group und ihre Partner in der Future Store Initiative bieten allen Interessenten Unterstützung. Drei maßgeschneiderte “Starter Kits” erleichtern den Einstieg in die Zukunft des Handels für Lieferanten.
RFID-Regulierung durch die Politik?
Sowohl in Deutschland als auch in Europa beschäftigt sich die Politik zunehmend mit Fragen der Regulierung von RFID. Gerade erst hat die deutsche Bundesregierung verlautbaren lassen, dass sie derzeit keinen Regulierungsbedarf sieht.
Die RFID-basierte Verarbeitung personenbezogener Daten werde mittelfristig kaum über das hinausgehen, was heute bereits anderweitig - beispielsweise mittels Barcodes, Kundenkarten und Überwachungskameras - üblich ist. Man setzt auf eine Selbstregulierung der Wirtschaft, was beispielsweise die Deaktivierung von RFID-Chips z.B. an der Ladenkasse betrifft.
Eine gesetzliche Regelung sei nicht nur derzeit überflüssig, sondern könnte auch die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen gefährden. Zugleich wird aber empfohlen, die Entwicklung weiter zu beobachten und ggf. neu zu bewerten, wenn neue Erkenntnisse bzw. neue Anwendungen entstehen. Auch eine EU-weite gesetzliche Regelung sei denkbar.
Anlässlich der CeBIT warnte dementsprechend das Informationsforum RFID vor einem gesetzlich festgelegten Zwang zur standardmäßigen Deaktivierung von RFID-Transpondern im Einzelhandel. Eine verfrühte und unverhältnismäßige Regulierung der Technologie würde die weitere Verbreitung beeinträchtigen und dem IT-Standort Deutschland schaden.
Das Informationsforum RFID verweist darauf, dass das bestehende Datenschutzrecht alle heute bekannten RFID-Anwendungen erfasse, soweit sie personenbezogene Daten verarbeiten. Die Verbraucher seien somit umfassend geschützt. Technologiespezifische weitere Regelungen hätten keinen Mehrwert, sondern würden dem IT-Standort Deutschland schaden.
Eine Zwangsdeaktivierung von RFID-Tags werde negative Konsequenzen für weitere Entwicklungen im Zusammenhang mit Transpondern auf Konsumgütern haben. Großes Potenzial liege zum Beispiel in der beleglosen Garantieabwicklung, zusätzlichen Verbraucherinformationen oder der Entwicklung intelligenter Haushaltsgeräte. Ein Missbrauch von Daten durch den Einsatz von RFID, dem mit derartigen Maßnahmen begegnet werden müsste, sei bei der derzeitigen Verbreitung und Art der Anwendungen im Einzelhandel nicht zu befürchten.
Sollten sich die Forderungen nach einer Verpflichtung zur standardmäßigen Deaktivierung durchsetzen, seien Auswirkungen auf die weitere Entwicklung von RFID-basierten Anwendungen und Dienstleistungen in ganz Europa zu erwarten, das sich eine starke Position bei der Entwicklung und Anwendung der RFID-Technologie erarbeitet hat. Das Informationsforum RFID befürchtet für diesen Fall negative Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft im Vergleich zu den USA und Asien, wo RFID als wichtige Zukunftstechnologie stark gefördert wird.
RFID-Zukunft
Auf der CeBIT diskutierte man auch neue, innovative Anwendungen der RFID-Technologie. Das 3. VDE/GI RFID-Forum präsentierte neue Anwendungen der “Near Field Communication” (NFC). NFC beschreibt die Kommunikation zwischen RFID-Chips über kurze, im Zentimeterbereich liegende Distanzen.
So lassen sich beispielsweise Mobilfunktelefone mit RFID-Funktion als Theaterkarte oder als “Personal Area Networks” für den Datenaustausch zwischen Personen und Gegenständen nutzen. Plakate könnten zukünftig auf Abruf per Handy Details über Konzerte geben.
Unter dem Motto “Wirtschaftliches und technisches Potenzial von Near Field Communication” will der VDE die Realisierung marktfähiger Projekte bewerten. Die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG) ist überzeugt, dass sich NFC schnell auf dem Markt durchsetzen wird. Hierfür sprächen Convenience, geringe Kosten, ein hohes Maß an Datensicherheit und der Schutz der Privatsphäre.

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13.-14. September 2010So führen Sie Einkaufsverhandlungen konsequent zum Erfolg, Wien, Herbert Graf
16. September 2010RFID im Praxiseinsatz, Graz, Dipl.-Ing. Alexander Gauby
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