Outback-Regel #1: Reagieren Sie nicht sofort
[02.09.2006]
Als Manager sind Sie es gewohnt, sofort Feuerwehr zu spielen, wenn Sie irgendwo Gefahr wittern.
Doch oft genug geht das nach hinten los…
In ihrem Buch Walkabout für Manager - Führen mit der Lebensphilosophie Australiens erzählt die Autorin Doris Rosendorf in 17 Kapiteln Storys aus dem Outback, die sich dort tagtäglich so oder so ähnlich abspielen - Geschichten aus dem Leben und von der Arbeit der Australier. Eine dieser Storys in Kürze:
Jack, ein Stockman, der mit seinen Kumpeln Rinderherden in den weiten Ebenen von Queensland trieb, hatte einen Swag, eine Art Schlafsack, nur größer und offen. Jack bereitete sich für die Nacht vor, indem er ein Bettlaken in den Swag legte. Er zog sich noch einmal kurz in den Busch zurück, ein paar Minuten später schlüpfte er in seinen Schlafsack und schlief nach einem harten, langen Tag sofort ein.
Als er am nächsten Morgen erwachte, spürte er bei seinen Füßen einen Widerstand. Da war noch etwas außer ihm in seinem Swag. Sekundenbruchteile später war Jack hellwach. Was sich da unter seinen Füßen kringelte, war eine Schlange. Er lag bereits einige Minuten vollkommen bewegungslos da, als sein Freund näher kam.
Die Worte, die Bill von sich gab, als er sah, was hier los war, lauteten nach Ben, der mir die Geschichte erzählte: “Holy shit, bugger me, what r yer doin mate!” Bill hatte eine Pistole, und mit der würde er die Schlange erschießen. Das Problem war allerdings: Wo hörten Jacks Beine auf und wo fing die Schlange an?
Jack hatte nun mehrere Möglichkeiten: Entweder biss ihn die Schlange oder er bekam eine Kugel ab. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass ihm keine der Möglichkeiten gefiel. Er lehnte also Bills Idee ab, ergab sich seinem Schicksal, blieb vollkommen ruhig und fing – sehr zum späteren Gaudium seiner Freunde im Pub – zu beten an.
Er meinte später, er hätte es hauptsächlich getan, um sich abzulenken. Was auch immer seine Motivation war, es schien zu wirken. Als die Sonne aufging und es ziemlich schnell warm wurde, kroch die Schlange langsam aus ihrem nächtlichen Quartier. Es war eine Taipan, eine der tödlichsten Schlangen, die in Australien zu finden sind.
Wie oft reagieren wir in unserem alltäglichen Leben falsch, weil wir in Panik geraten? Wie oft ist Ruhe und Nichtreagieren genau die richtige Reaktion? Und wie oft reagieren wir schon, bevor wir wissen, ob Agieren überhaupt die richtige Reaktion ist?
Gerade in der Kommunikation und Interaktion mit unseren Mitarbeitern oder Kollegen passiert es oft, dass wir viel zu schnell reagieren, dabei würde sich das eine oder andere Problem ganz von allein lösen. Die Kunst besteht darin, genau zu wissen, wann eine (schnelle) Reaktion und wann Warten angesagt ist.
Daraus leitet sich Outback-Regel #1 ab: Reagieren Sie nicht sofort!
Probieren Sie es aus. Auch für Menschen, denen es schwerfällt, “Nein” zu sagen, kann diese Methode sehr hilfreich sein, um nicht in Gefahr zu kommen, automatisch nach ihrem Muster zu reagieren. Beobachten Sie Ihre Umwelt und beobachten Sie sich selbst. Gerade in Situationen, die uns in Stress bringen, brauchen wir klare Gedanken und den Zugang zu unserer Intuition, die ja all unsere Erfahrungen und unser gesamtes Wissen, das in unserem Unterbewusstsein schlummert, beinhaltet.
Denken Sie an Situationen, die Sie gut gemeistert haben, obwohl Sie sie zuerst in Stress gebracht haben. Wie haben Sie sie gemeistert? Spüren Sie öfters nach, wie es war. Je öfter Sie das Gefühl des erfolgreichen Bewältigens einer solchen Situation empfinden, desto öfter bekommt Ihr Unterbewusstsein die Information, dass dies die Norm ist. Dadurch wird dies nach und nach zum Automatismus und Sie werden immer häufiger ganz automatisch “Unterbrecher” einbauen, um freien Zugang zu Gedanken und Intuition zu haben.
Damit können Sie schneller und leichter reagieren - oder eben nicht reagieren, je nachdem, was in dieser Situation am sinnvollsten erscheint.
Übrigens: Die ganze Story sowie weitere spannende Geschichten aus dem Outback - und natürlich die restlichen 16 Outback-Regeln - können Sie im Buch “Walkabout für Manager” nachlesen. Weitere Infos und eine Buchbesprechung finden Sie hier.

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