österreichs E-Government forciert Open Source

[10.11.2003]

Open Source (OS) im E-Government gewinnt besonders bei höheren Sicherheitsklassen an Bedeutung, insbesondere bei Fragen der Zugangsberechtigungen und Identifikationen, bei vertraulicher Kommunikation und bei Zustellsystemen. Dies erklärte Reinhard Posch, Chief Information Officer des Bundes, bei einem Pressegespräch des Verbandes österreichischer Software Industrie VöSI.



OS sei in der Verwaltung auch deshalb von Bedeutung, um jederzeit wieder an den Ausgangspunkt zurückkehren zu können, “denn in fünf Jahren verlangt die Welt wieder ganz etwas anderes”, so Posch.

Der IKT-Board des Bundes hat empfohlen, in Hinkunft bei der Anschaffung von Servern sicher zu stellen, dass diese auch unter Linux betrieben werden können. Laut IKT-Board sollen alle für das E-Government verwendeten Formate und Protokolle zur Gänze und in allen Varianten im Sinne eines Open Interfaces veröffentlicht werden. “Monopol und behindernde Lizenz-Situationen sind in diesem Bereich auf alle Fälle zu vermeiden”, so Posch.

Im Bereich der Arbeitsstationen verhält sich österreich laut Posch noch zuwartend, da die Funktionalitäten, die derzeit vor allem im Bereich der abteilungsorientierten Kommunikation erwünscht werden, nicht hinreichend auf der Workstationseite in Open Source verfügbar seien.

Microsoft-Sprecher Thomas Lutz sieht durch OS allerdings das “Software-öko-System” gefährdet, da ohne Schutz des geistigen Eigentums und ohne exklusive Verwertungsrechte der Anreiz zu weiteren Innovationen entfalle. “Microsoft hat nichts gegen die OS-Community. Speziell seit der übernahme von SuSE durch Novell wurde sichtbar, dass kommerzielle Player in den USA ein Oligopol gebildet haben, das nichts mit der OS Basis-Bewegung zu tun hat”, so Lutz.

Donatus Schmid, Geschäftsführer von Sun Microsystems, entgegnete den Vorbehalten von Microsoft gegen eine General Public License (GPL), dass es auch Less GPL gäbe, womit beispielsweise Openoffice als Staroffice durchaus verkauft werden könne. Sun unterstütze die OS-Szene sogar mit eigenen Entwicklern, die an OS-Projekten mitarbeiten. Schmid: “Ich finde es schrecklich, wenn die verwendete Textverarbeitung vorgibt, welche Datenbank ich nutzen muss.”

Die Position des VöSI zum Kampf der Weltanschauungen formulierte Verbandspräsident Peter Kotauczek: “Der VöSI ist das Fass, in dem der Wein gärt. Wir bieten die Plattform, wo die Branche auf neutralem Boden eine Meinung finden kann, dieser Prozess läuft gerade.” [Quelle: pte.at]


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