Netzneutralität
[29.11.2010]
Netzneutralität steht für die Forderung, dass Zugangsanbieter Datenpakete von und an ihre Kunden unverändert und gleichberechtigt übertragen, unabhängig davon, woher diese stammen oder welche Anwendungen die Pakete generiert haben.
Das Thema Netzneutralität ist seit einigen Monaten heftig umstritten und Gegenstand politischer, wirtschaftlicher und kultureller Diskussionen. Um zu verstehen, worum sich diese Diskussionen drehen, ist es entscheidend, sich vor Augen zu führen, dass jegliche Nutzung des Internets mit seinen verschiedenen Diensten paketbasiert erfolgt und zwischen Nutzer und Serviceanbieter (Webseitenbetreiber, VoIP-Dienstleister ...) immer ein Zugangsanbieter (access provider) als Mittelsmann fungiert.
Diesem Mittelsmann kommt in der Diskussion um die Netzneutralität besondere Bedeutung zu: Anstatt jedes Datenpaket gleichrangig zu betrachten und ident zu behandeln, ist es möglich, bestimmte Datenpakete zu bevorzugen, zu benachteiligen oder gar ganz abzulehnen. Die Gründe hierfür sind für die Zugangsanbieter finanzieller Natur. So können sie die Serviceanbieter an den Kosten für die Netzinfrastruktur beteiligen und im Gegenzug eine bevorzugte Weiterleitung der Datenpakete offerieren, aber auch unliebsame oder besonders netzbelastende Dienste aussperren.
So ist es bei einigen Zugangsanbietern im Mobilfunkbereich (UMTS) derzeit durchaus üblich, Voice over IP (“Internettelefonie”) vertraglich zu untersagen mit dem Hinweis auf die zu hohe Netzbelastung, zugleich aber damit sicherzustellen, dass die eigenen Mobilfunk-Umsätze im Bereich Sprachtelefonie nicht gefährdet werden. Diese Sperren können auch technisch forciert werden. Andere Provider gegen dazu über, Filesharing-Dienste in ihren Netzen zu drosseln oder zu sperren.
Andererseits können durch bevorzugte Behandlung (gegen Zahlung einer Gebühr seitens des Serviceanbieters) z.B. große E-Commerce-Websites, Social-Media-Sites oder bestimmte Videoportale bevorzugt behandelt werden - die kleineren Anbieter, die sich die geforderten Zahlungen nicht leisten könnten, hätten das Nachsehen, da der Besuch ihrer Angebote weniger komfortabel oder ggf. für die Kunden des Access Providers gar nicht mehr möglich wäre.
Zieht man zudem in Betracht, dass Suchmaschinen wie Google mittlerweile auch die Ladezeiten der einzelnen Angebote im Suchmaschinen-Ranking berücksichtigen, dann besteht die Gefahr, dass bei Missachtung der Netzneutralität kleine, finanziell schwächer ausgestattete Angebote wie Startups, private Initiativen und kulturell wertvolle Nischenangebote schlechtere (und vielleicht irgendwann gar keine) Chancen haben, ihre Zielgruppe zu erreichen. Dabei besteht ein zusätzliches Problem darin, dass die Zugangsbeschränkungen durch den Access Provider für den Endnutzer nicht direkt erkennbar sind - er sucht die Schuld für langsame Verbindungen u.ä. dann ggf. beim Serviceprovider, obwohl diesen keine Schuld trifft.

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