Nachspiel
[14.07.2008]
Ob man sich für Fußball interessiert oder nicht, das Ereignis EM ging an kaum jemandem unbemerkt vorüber. Und es gab Momente, die auch den größten Fußball-Muffel interessieren sollten ...
Ob man sich für Fußball interessiert oder nicht, das Ereignis EM ging an kaum jemandem unbemerkt vorüber. Und es gab Momente, die auch den größten Fußball-Muffel interessieren sollten:
Was konnte man beobachten? Zwei Mannschaften, die mehr oder weniger nichts anderes im Sinn hatten, als das Runde ins Eckige zu bringen bzw. den Gegner daran zu hindern. Taktik, Strategie, Teamarbeit, Tagesverfassung, Wetter, Glück und nicht zuletzt die Sichtweisen des Schiedsrichters waren die Zutaten für die Chancen und Siege.
Häufig wurde bis zur 90. Minute unentschieden gespielt. Oder eine Mannschaft kämpfte sich nach vorne - die Stimmung beim Gegner gedrückt, die Fans enttäuscht, das Spiel schien bereits gelaufen.
Doch dann: Nachspielzeit.
Und da zeigte sich immer wieder: Ein einziger Schuss konnte die Situation komplett umdrehen. Innerhalb einer Sekunde änderte sich die Stimmung, ungeahnte Kräfte wurden mobilisiert. Und es gewann nicht immer der Beste, sondern der, der in einer vermeintlich aussichtslosen Situation nicht aufgab, die Nerven bewahrte und jede Chance nützte, und sei sie noch so klein.
Bis kurz vor dem Schlusspfiff ist der Ausgang also häufig total offen, auch wenn man selbst das Spiel aufgrund von Fakten längst abgehakt hat. Doch es gibt etwas jenseits der Fakten, das zählt. Teamgeist und Hoffnung. Auch und besonders in der Nachspielzeit. In der häufig die entscheidenden Tore geschossen werden, von denen man Sekunden vorher nicht zu träumen wagte.
Wir befinden uns oft selbst in solchen Nachspielsituationen. Allerdings meist, ohne es zu merken. Daten und Fakten erhalten dann eine Endgültigkeit, die sie oft nicht haben – und wir nehmen Chancen für eine glückliche Wendung gar nicht wahr. Doch wo Teamgeist und Hoffnung weiterleben, kommt das Runde häufig doch noch ins Eckige – und die Möglichkeit dazu sollten wir uns nicht vorschnell verbauen.

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