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Nachfrage-Management
[03.01.2007]
(Zusammenfassung einer Studie von A.T. Kearney, von Dr. Josef Vlcek, ERPS)
Analysen von Unternehmensausgaben im Hinblick auf Kosteneinsparungen haben zum Nachfrage-Management (engl. demand management) geführt. Als strategisches Ausgaben-Management ist Demand Management ein Teil der Sourcing-Strategie.
Beim Nachfrage-Management geht es oft nicht so sehr um die Preise, sondern vielmehr um den Umfang der Anschaffung gewisser im Unternehmen notwendiger Güter und Dienstleistungen.
Die Erfahrungen zeigen, dass zwischen 10 und 20 Prozent des üblichen Ausgabenrahmens bei konsequenter Anwendung eines Demand Managements eingespart werden können. Für Unternehmen sind Reisekosten, Investitionen im IT-Bereich, Mobiltelefone und andere betriebsnotwendige Produkte oder Dienstleistungen die Hauptansatzpunkte.
Wesentlich ist, ein Demand-Management-Programm zu erstellen, das für alle im Unternehmen Beschäftigten ohne Ausnahme gilt. Dieses Programm ist als Unternehmensziel zu akzeptieren und umzusetzen. Der Kosteneffekt sollte bei der Information nicht im Vordergrund stehen.
Die Erstellung eines Demand-Management-Programms
A. T. Kearney entwickelte ein System von sechs Etappen, das zur Erstellung eines Demand-Management-Programms führt. Die sechs Schritte umfassen:
- Datenerfassung und Analyse
- Feststellung von Einsparungsmöglichkeiten
- Festlegung der wichtigsten Nachfragepositionen
- Einfluss auf Ausgaben durch Nachfrageeinschränkung
- Ausarbeitung konkreter Ziele
- Umsetzung zur Erreichung dieser Ziele
In alle Stufen dieses Systems sind die Führungskräfte und die Mitarbeiter einzubeziehen, welche die bisher geübte Praxis auf ihre Zweckmäßigkeit und den Kostenaufwand hinterfragen sollten. Alle sind aufgefordert, neue Vorschläge zu machen.
Zwischen den einzelnen Gruppen werden signifikante Unterschiede auftreten. So manche Neuanschaffung unterliegt keinem ausreichenden Wettbewerb oder ist nicht auf neue Möglichkeiten (z.B. Flugtickets billiger im Internet) geprüft worden. Werden gewisse Produkte nicht auch aus persönlichem oder technischem Prestige - nicht unbedingt notwendig für die Firma - etwa im IT oder Mobilfunkbereich eingekauft? Wer braucht ein Dienstauto? Wie steht es mit der Klassifikation von Firmenautos? Wie wird dies verrechnet? Wie oft müssen längerlebige Produkte eingekauft werden? Gewechselt werden? Sind die angebotenen, teureren Zusatzausstattungen für das Unternehmen wirklich notwendig?
Die Anführung dieser Beispiele zeigt nicht nur die verschiedenen Möglichkeiten des Demand Managements auf, wobei es auch zu Spannungen innerhalb der Belegschaft und des Managements führen kann. Vorschläge und Ziele können nur dann erarbeitet werden, wenn eine exakte Kostenkontrolle, ein Kostenvergleich und ein umfassendes Verständnis gegeben ist.
Aufgabe des Managements und eines Demand-Management-Teams ist die permanente Information und Einbindung der Mitarbeiter in dieses strategische Konzept. Die Vorschläge sollten auf einer Prioritätsreihung aufbauen.
Umsetzung
Bei der Umsetzung hilft ein begleitendes Benchmarking der Teilergebnisse/Ziele.
Für die Umsetzung bieten sich folgende Ziele an:
- Nachfrageaussetzung (z.B. Streichung nicht notwendiger Meetings, Reisen, IT-Zusatzausrüstung)
- Nachfragereduktion (z.B. keine Reisekosten für interne Meetings, keine Geräteanschaffung durch Reorganisation)
- Spezifikationsvereinfachung (z.B. Firmenautos, Kraftstoffverbrauchsreduktion, Hotelkategorie, Straffung Software)
- Reduktion der Häufigkeit (z.B. Beachtung der längeren Lebensdauer von Autos, Geräten, Streichung von Meetings, Monitorreduktion)
- Ersatz durch billigere Substitution (z.B. Videokonferenzen statt Meetings, öffentliche Verkehrsmittel statt Auto, billigere technische Geräte)
- Nützung anderer Beschaffungswege (z.B. Reiseeinkauf auf dem freien Markt ohne Agentur)
- Finanzvorteile anwenden (z.B. keine Vorauszahlung, Ausbau eigener Zahlungsziele, Finanzkalkulation und Kontrolle jeder Geschäftseinheit)
Es zeigt sich, dass die Unternehmen zwar diese Ziele in Teilbereichen verfolgten, aber dass eine konsequente Gesamtstrategie fehlte oder immer wieder davon - teils auch von Führungskräften - abgegangen wurde.
Das Demand Management muss als Strategie und Einstellung jeden betreffen, immer wieder kommuniziert werden - und die Mitarbeiter sollten zur Einbringung neuer Ideen aufgefordert werden. Um die Ziele zu erreichen, bedarf es einer für alle transparenten, permanenten Berichterstattung.
Autor: Dr. Josef Vlcek, ERPS
Das ERPS (European Center for Research in Purchasing and Supply, Wien) ist ein nicht gewinnorientierter Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Studien auf dem Gebiet des Einkaufs und des Beschaffungswesens zu verfassen und zu publizieren, um damit Einkaufsmanagern in ihren beruflichen Tätigkeiten und Unternehmen eine Unterstützung anzubieten.

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