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Marktbedingungen in der globalen Wirtschaft
[26.01.2004]
Die Automobilindustrie: Wandel und Herausforderungen
von Dr. Josef Vlcek, European Research Center for
Purchasing & Supply (ERPS)
Nach neuesten Studien des IBM Business Consulting Services führt die Marktentwicklung in Zukunft zu radikalen Veränderungen im Autozulieferbereich, insbesondere in der PKW-Produktion.
Die Ausgangslage
Derzeit werden 80 % aller PKW-Verkäufe von neun globalen Automobilherstellern kontrolliert.
Durch eine weltweite überkapazität von etwa 22 Mio. Fahrzeugen liegt bei einer Gesamtkapazität von 77 Mio. Fahrzeugen (2002) die durchschnittliche Auslastung der Werke bei lediglich 71 % der Kapazität.
In Westeuropa ist der PKW-Absatz von über 15 Mio. im Jahr 1999 auf unter 14 Mio. im Jahr 2002 zurückgegangen.
Die Modellvielfalt erfordert eine flexiblere Produktion. Die Modelle werden von derzeit 192 bis 2009 auf 222 steigen. Das durchschnittliche Produktionsvolumen je Modell wird von 90.000 auf 83.000 zurückgehen.
Derzeit beträgt die Markteinführungszeit durchschnittlich 32 Monate für einen neuen PKW - diese Zeitspanne wird sich verkürzen.
Die überkapazität der Produktion, neue gesetzliche Bestimmungen, neue Kundenwünsche und Kundenanbindungen sowie die EU-Erweiterung am 1.5.2004 stellen an die Autozulieferindustrie große Anforderungen:
Lagerhaltung
LTO-Prozesse (locate to order) gewinnen an Bedeutung zur Kostensenkung und Absatzsteigerung.
Qualität
Qualitätsprobleme verursachen hohe Kosten, z.B. bei Elektronikteilen, und vergrämen Kunden; die Durchschnittskosten für Garantiemängel erreichen in USA $ 700,00 pro Fahrzeug!
Rentabilität
Die Kosten der Markteinführung sollen gesenkt werden; weiterhin wird es hohe Entwicklungskosten für technische Entwicklung und Innovationen geben.
Staatliche Vorschriften
Diese führen zu Belastungen und Mehrkosten bzw. Ertragseinbußen. Beispiele: TREAD (Transportation Recall Enhencement, Accountability and Documentation), GVO (Gruppenfreistellungsverordnung EU), CAFE-Standards (Corporate Average Fuel Economy), Sicherheitsanforderungen, Freihandelsabkommen (AFTA-Asia Free Trade Agreement), Umweltvorschriften.
Entsorgung
Das Management der Entsorgung von Altfahrzeugen wird wichtiger.
Komplexe Anforderungen
Die technische Entwicklung und die Kundenwünsche im Bereich der Autoelektronik und Telematik führen zu weiteren teuren Innovationen. Diese Bauteile haben bereits einen Anteil von 20 % am Fahrzeugwert, der bis 2009 auf über 33 % ansteigen wird.
Für die Zukunft sollten zwei spezifische Funktionen entwickelt werden:
1. Vehicle Brand Owner/Absatz Markenfahrzeuge
Ihr Aufgabengebiet ist ein stark kundenorientierter Absatz, bestimmend für Produktionsentwicklung und Innovation.
2. Vehicle Integrator/Produktionskoordinator
Zuständig für interne Auftragsabwicklung, Auslieferung, Zukauf und Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette.
Diese Entwicklung und die EU-Erweiterung wird zu flexibleren Wertschöpfungsketten mit zum Teil neuen Partnern und einer stärkeren Einbindung der Zulieferer in die technische Entwicklung führen.
Für die Zulieferindustrie bedeutet dies Handlungs- und änderungsbedarf:
- Konzentration auf das spezifische Kerngeschäft
- Neue Partnerschaften mit Unternehmen in den neuen EU-Ländern und neue Ansiedlungen
- Steigende Anforderungen an die Flexibilität
- Vermehrte Anforderungen an die Dienstleistungen in allen Bereichen
- Definierte interne und externe Prozessketten als Voraussetzung für die Teilnahme am Value Network
- Neue Partner für neue Modelle
- Weitgehende Mitarbeit an technischer Entwicklung
- Durchgehende Vernetzung unter Anwendung der gesicherten Informationstechnologie
Die europäische Zulieferindustrie steht damit vor der großen Herausforderung, einen Wertabfluss zu verhindern und sich als Partner für die gemeinsame Zukunft der Automobilindustrie ihren Platz zu sichern und auszubauen.
Hinweis: Auf der Website von IBM Business Consulting Services finden Sie weitere Informationen zum Themenbereich Automobilindustrie, aber auch zu vielen anderen Branchen.

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