Kleines Rezept gegen Schreibhemmungen

[08.11.2004]

Sie müssen, nein: Sie dürfen eine Rede oder einen Vortrag halten? Sie möchten sich perfekt vorbereiten - und nun sitzen Sie vor dem weißen Blatt Papier oder vor dem leeren Bildschirm, der Cursor blinkt. Und es fällt Ihnen nichts ein, der Kopf ist leer, eine leichte Panik befällt Sie(der Termin drängt ja schon sehr).

Der Trick: Beginnen Sie nicht mit dem ersten Satz.



Der Druck, mit einem besonders originellen oder besonders markanten Einstieg zu beginnen, lässt Ihre Kreativität erlahmen, bevor Sie noch begonnen haben, nachzudenken. Gehen Sie es locker an. Schreiben Sie anfangs zum Beispiel überhaupt keine ganzen Sätze, sondern brainstormen Sie. Sammeln Sie erst mal Begriffe, Wörter, Ideen. Legen Sie eine Mindmap an oder machen Sie sich eine Liste mit allem, was Ihnen spontan zu der Person, dem Anlass oder dem Thema einfällt. Blättern Sie in einer Tageszeitung, einer Zeitschrift oder durch ein Buch, zum Beispiel durch einen Band mit Zitaten oder Sprichwörtern.

Schreiben Sie ein paar solcher Bonmots heraus und spielen Sie damit herum, formulieren Sie sie um und verpassen Sie ihnen eine persönliche Note, indem Sie zum Beispiel aus zwei Zitaten ein neues mixen oder die Aussagen berühmter Menschen durch den Austausch von Wörtern “verballhornen” ... Sie werden rasch merken, das bringt das Gehirn und Ihre Kreativität in Gang.

Und dann beginnen Sie, ganze Sätze auszuformulieren. Schreiben Sie drauflos. Beginnen Sie einfach in der Mitte und heben Sie sich den Anfang für den Schluss auf. Lassen Sie Ihren Text dann einen Tag liegen und experimentieren Sie, indem Sie Absätze umstellen.

Oft genug stellt sich dann heraus, dass der gute Einstieg schon in Ihrem Entwurf enthalten ist; durch Umstellen von Absätzen haben Sie dann Ihren Anfang auch gleich vor sich.

Diese Methode ist nicht nur für das Entwerfen von Reden und Vorträgen geeignet, sondern kann auch das Verfassen von E-Mails, Rundschreiben und anderen Texten erleichtern - und es hilft nicht nur bei humorigen Anlässen, sondern auch beim Schreiben von ernsten oder heiklen Texten, in die “einzusteigen” auch oft schwer fällt.


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