IPv6
[30.10.2011]
Das Internet Protocol Version 6 (IPv6) ist ein Internet-Prokotoll, das die bislang vorwiegend genutzte Version 4 (IPv4) ablösen soll. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil mittlerweile alle verfügbaren IPv4-Internet-Adressen vergeben wurden.
Die gesamte Internet-Kommunikation basiert darauf, dass sich alle beteiligten Rechner auf einen gemeinsamen Übertragungsstandard, das Internet Protocol, einigen. Als die bislang vorrangig eingesetzte Version 4 dieses Übertragungsstandards entwickelt wurde, dachte aber noch niemand an die Popularität, die das Internet einmal erreichen würde.
Neben der gemeinsamen »Sprache«, die der Übertragungsstandard festlegt, ist eine zentrale Grundlage des Internet-Protokolls die Adressierung jedes beteiligten Systems. Genau hier liegt ein erhebliches Problem des alten IPv4: Es gibt zu wenige »Hausnummern« (IP-Adressen), um alle Kommunikationspartner eindeutig zu identifizieren. Mittlerweile sind alle verfügbaren IPv4-Adressen vergeben, doch die Zahl der Geräte, die über das Internet kommunizieren sollen, wird immer größer. Längst sind es nicht nur PC, sondern auch Handys, Fernseher, Industrieanlagen (Fernwartung) und sogar Autos und Kaffeemaschinen. IPv4 behilft sich damit, IP-Adressen mehrfach zu nutzen und rotierend einzelnen Kommunikationspartnern zuzuordnen.
Die für Anwender wesentlichste Eigenschaften von IPv6 ist die Vergrößerung des Adressraums von IPv4 von rund 4,3 Milliarden Adressen auf etwa 340 Sextillionen Adressen bei IPv6. Damit stehen für jeden derzeit denkbaren Anwendungsfall mehr als genug Adressen zur Verfügung.
Zugleich aber befürchten Kritiker, dass damit nicht nur jedes Gerät problemlos eine eigene IP-Adresse erhalten kann, sondern dass diese Vergabe statisch erfolgen wird. Das Gerät bekommt dabei einmal eine IPv6-Adresse zugeordnet und ist darüber sein gesamtes Leben lang aktiv. Die Nutzer (genauer: die Endgeräte) würden damit jederzeit eindeutig identifizierbar, es könnten reaktiv Nutzungsprofile erstellt, aber auch proaktive Überwachungsinfrastrukturen aufgebaut werden, die User ausspionieren.
Technisch bietet IPv6 eine Vielzahl weiterer Vorteile gegenüber IPv4. Der Umstieg ist zudem unausweichlich, da das alte System mittlerweile an seiner Kapazitätsgrenze operiert. IPv4 und IPv6 können in der Übergangsphase parallel betrieben werden, die aktuellen Betriebssysteme sind mittlerweile in der Lage, IPv6 zu verarbeiten. Dies gilt allerdings nicht durchgängig für ältere Hardware (Router, etc.). Auch müssen die Access- und Content-Provider ihre Infrastruktur an IPv6 anpassen, was derzeit noch sehr schleppend passiert.

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