Impressionen vom Österreichischen Einkäufertag 2006

[18.07.2006]

Am 21. und 22. Juni 2006 trafen sich knapp 100 Einkaufsverantwortliche bei herrlichem Sommerwetter in Altlengbach im Wienerwald zum Österreichischen Einkäufertag 2006. Der Jour Fixe der österreichischen Einkaufsprofis stand in diesem Jahr unter dem Motto “Einkauf gestaltet Zukunft: Heute erkennen, was morgen zählt”.

Auftakt zum EKT 2006In der Begrüßung der Teilnehmer wies der Präsident des ÖPWZ, Herr Dr. Johannes Kleemann, dann auch auf die Herausforderungen hin, denen sich die Einkäufer heute und in Zukunft stellen müssen: In vielen Unternehmen verantworten Einkäufer bis zu 60 Prozent der gesamten Unternehmenskosten, zugleich wird der Kostendruck immer größer, während auf der anderen Seite Globalisierung und komplexe Logistik gemanagt werden müssen. Der Beruf des Einkäufers wird anspruchsvoller, die Funktion wird aber in viele Unternehmen in ihrer Bedeutung – auch und gerade für die Zukunft – vielfach unterschätzt.

Dr. Roland Falb präsentiert ein Zukunftsszenario Österreich 2015Die durch Globalisierung, EU-Erweiterung und Produktionsverlagerungen bedingten Veränderungen griff im ersten Vortrag Dr. Roland Falb von Roland Berger Strategy Consultants auf, indem er eine Befragung zum Standort Österreich 1995, 2005 und 2015 vorstellte. Deutlich wurde dabei, dass österreichische Unternehmen von der Osterweiterung überdurchschnittlich profitiert haben, die Bedeutung von Österreich als Absatzmarkt aber tendenziell sinkt. Für die Zukunft wird es entscheidend sein, dass die Unternehmen Antworten auf eine weitere Dynamisierung der Wertschöpfungsstrukturen und der Abwanderung von Produktion aus Österreich finden.

Nikolaus Vaas, Managing Director bei der Hoffmann GmbH, schloss daran an und stellte die Entwicklungen vor, die die Hoffmann Group im Bereich Logistik zu bewältigen hatte. Europas führende Systempartner für Qualitätswerkzeuge garantiert für das Sortiment aus rund 40.000 Qualitätswerkzeugen in Österreich eine TÜV-zertifizierte Lieferfähigkeit von 99 Prozent innerhalb von 24 Stunden. Um dies samt entsprechender Qualitätskontrolle auch für Produkte zu gewährleisten, die beispielsweise in China produziert werden, wurden umfassende Maßnahmen auch mit Logistikpartnern umgesetzt.

Auch Dipl.-Ing. Günther Jungkind von NG consultiNG widmete sich in seinem Vortrag „Top-Ten-Trends Einkauf“ der Frage, welche Herausforderungen auf Einkäufer zukommen. Er empfahl, vor allem den Kostendruck auf das eigene Unternehmen sowie auf Lieferanten kritisch zu beobachten. Die Geschwindigkeit von Veränderungen, wie sie sich heute schon in Outsourcing, komplexer Logistik und Wettbewerbskonzentration darstellen, wird weiter zunehmen. Lieferanten werden dabei verstärkt zu eigenverantwortlichen Supply-Partnern mit Mehrwert.

Ein weiterer Vortrag widmete sich den besonderen Herausforderungen, denen sich die Beschaffung bei E&P-Vorhaben gegenüber sieht: Am Beispiel der Erdöl- und Erdgasförderung lieferte Dr. Wolfgang Ringhofer von OMV AG interessante Einblicke in eine Branche, bei der z.B. für die bei der Bohrung benötigten Rohre zum Teil Lieferzeiten von 16 Monaten eingeplant werden müssen und in der die enge Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen und seinen Suppliern in Form einer Win-Win-Partnerschaft unabdingbar ist.

Highlights des ersten Tages waren zweifellos der Vortrag von Frau Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb, Österreichs “Wissenschaftlerin des Jahres 2005”, und das Erfolgs-Special mit dem Spitzensportler und Wirtschaftscoach Gerhard Zadrobilek.

Der Vortrag von Frau Prof. Dr. Kromp-Kolb führte zu angeregten DiskussionenProf. Kromp-Kolb referierte über alternative Energiequellen und Überlegungen zu mehr Nachhaltigkeit. Ihre Ausführungen zum Klimawandel und über den unreflektierten Umgang mit Energie und Ressourcen stießen gerade vor dem Hintergrund der Globalisierung und der Produktionsverlagerung in Billiglohnländer auf viel Interesse bei den Zuhörern. Obwohl – oder gerade weil – Frau Kromp-Kolb ihren Vortrag mit dem Eingeständnis eröffnete, nicht viel über die Tätigkeit und Verantwortlichkeiten zu wissen, gelang es ihr eindrucksvoll, das für Einkäufer nicht alltägliche Thema in seiner Brisanz zu präsentieren. Im Anschluss an den Vortrag wurde dann auch eifrig darüber diskutiert, dass man sich bei diesem Thema nicht allein auf die Politik verlassen kann und wie jeder Einzelne Verantwortung im eigenen Unternehmen übernehmen kann. Es wurde deutlich, dass die Möglichkeiten des Einkäufers dann eingeschränkt sind, wenn der akute, kurzfristige Konkurrenz- und Preisdruck über ökologische, längerfristige Interesse siegt. Zugleich aber wurden auch viele Beispiele genannt, bei denen ökologisch verantwortliches Handeln nicht mit finanziellen Mehrbelastungen einhergehen muss, sondern nur konsequentes Aufspüren der Möglichkeiten und die Betrachtung der Gesamtkosten (inklusive Logistikkosten für Transport und Entsorgung) benötigt.

Anschaulich präsentierte Gerhard Zadrobilek die Voraussetzungen, um zum Sieger werden zu könnenIm Abendvortrag stellte der österreichische Radsportprofi Gerhard Zadrobilek die Frage, was Sieger anders machen und was Manager von Spitzensportlern lernen können. Die multimedial und konzeptionell außergewöhnliche Präsentation regte die Zuhörer an, auch über das eigene Zielerreichungssystem nachzudenken: Weiß ich eigentlich immer, was ich da tagtäglich tue und warum? Was ist meine Motivation? Und wie fokussiere ich meine Kräfte auf die wirklich wichtigen Dinge? Gerhard Zadrobilek lieferte anhand seiner persönlichen Radsportkarriere viele Beispiele zu Höhen und Tiefen … aber auch den entscheidenden Momenten, die dazu führen, Tiefs wieder zu verlassen. Auch wenn es keine magische Erfolgsformel gab und manches dem einen oder anderen bekannt vorgekommen sein mag, wurden doch alle Teilnehmer des Einkäufertages ermutigt, über die eigene Rolle und die persönlichen Erfolge und Misserfolge nachzudenken.

Der erste Veranstaltungstag klang dann am Wienerwald-Schmankerlbuffet und mit einer Weinverkostung aus. Die Parodeiser sorgten für musikalisch-parodistische Untermalung, während die Teilnehmer die Gelegenheit zur Kontaktpflege und zum Meinungsaustausch nutzten. 

Die Parodiser lieferten den musikalischen Rahmen für das AbendprogrammEntspnnung, Unterhaltung und Austausch standen nehmen zahlreichen interessanten Fachvorträgen auf der TagesordnungZufriedene Gesichter auch bei den Organisatoren

Der zweite Tag wurde eröffnet durch den Vortrag von Herbert Mühlböck von der Fronius International GmbH. Am Beispiel der Fronius GmbH stellte er vor, was ein starker Einkauf leisten muss. So sitzt bei Fronius, wo der Anteil der Materialkosten an den Herstellkosten bei 86 Prozent liegt, bei jedem neuen F&E-Projekt der Bereich Beschaffung/Einkauf/Logistik von Beginn an mit am Tisch. Für das Unternehmen ist die EK-Strategie wichtiger als die Prozessoptimierung in der Herstellung. Das schlägt sich auch darin nieder, dass Fronius die Lieferanten als langfristige Partner sieht und dementsprechende Verträge aushandelt. Dabei arbeiten die Zulieferer zum Teil eigenständig, aber mit strikten Zielvorgaben. Zudem ist der Einkauf gehalten, beispielsweise in der Beschaffungsmarktforschung selbst aktiv zu werden und in die Beschaffungsmärkte hineinzugehen.

DDr. Ciresa referiert über Force MajeureEin Höhepunkt der Vormittags-Session des zweiten Tages war dann der Vortrag von DDr. Meinhard Ciresa. Ihm gelang es mit Witz und prägnanten Beispielen, die Bedeutung der Force Majeure, also des Einflusses höherer Gewalt auf Vertragsvereinbarungen, zu verdeutlichen. Besonders im Zusammenspiel verschiedener Rechtssysteme und Kulturkreise kann es hier zu ganz unterschiedlichen Auslegungen von Rechten und Pflichten kommen, weshalb schriftliche Rahmenvereinbarungen, die eben auch Fälle höherer Gewalt abdecken und Informationspflichten klären, unbedingt geschlossen werden sollten, nicht aber immer vor Streitigkeiten im Fall des Falles bewahren.

Anschließend gab DI Jörg Köck von der Köck Coachingconsulting GmbH, der die Veranstaltung auch als Moderator begleitete, unter dem Titel „Auch Monopolisten brauchen Kunden!“ Tipps für Einkaufsverhandlungen mit schwierigen Geschäftspartnern und Monopolisten. Dipl.-Ing. Günther Margetich (MSG – management support group) lieferte in seinem Vortrag „Mergers & Acquisitions: The day after – plötzlich einer unter vielen“ berichtete er von seinen persönlichen Erfahrungen im Rahmen einer Unternehmensübernahme und gab Tipps, wie man sich in solch einem Fall verhalten kann.

Eifrige Beteiligung an den Open-Space-WorkshopsErstmalig beim Einkäufertag 2006 wurde der Nachmittag des zweiten Tages für eine Open-Space-Veranstaltung genutzt. In parallelen Workshops wurden von den Teilnehmern Trends besprochen, die die Funktion des Einkäufers zukünftig verstärkt beeinflussen. Hier wurde die individuelle, persönliche Relevanz des Mottos des Einkäufertages deutlich: Jeder ist in seiner Funktion, in seinem Unternehmen gefordert, die Herausforderungen der Zukunft aktiv anzugehen, um nicht von den Entwicklungen überrollt zu werden.

Die Workshops widmeten sich den Themen „Der Lieferant als Leistungspartner“, „Die zukünftige Rolle des Einkaufs im Betrieb“ sowie – auf besonderen Wunsch nach dem Vortrag von Prof. Dr. Kromp-Kolb – „Umweltbewusste Maßnahmen/Aktivitäten des Einkaufs“. Zum Abschluss des Österreichischen Einkäufertages 2006 wurden die gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse im Plenum präsentiert. Es wurde von den Teilnehmern angeregt, diese Themen auch nach Abschluss des Österreichischen Einkäufertages 2006 auf anderer Ebene weiter zu verfolgen.

Zufriedene, aufmerksame Teilnehmer des EKT 2006Dass der Einkäufertag 2006 eine persönliche Dimension für die Teilnehmer hatte, zeigt sich auch an einer Umfrage am Rande der Veranstaltung: Die Teilnehmer wurden vor und nach der Veranstaltung gebeten einzuschätzen, wie klar sie wissen, wie sie die Zukunft ihres Einkaufs gestalten wollen. Gab es vor der Veranstaltung einen durchschnittlichen Wert von 6,4 (auf einer Skala von 0 bis 10), so stieg dieser Wert auf 7,3 nach Ende der Veranstaltung.

Beleitet wurde das Vortragsprogramm durch eine Ausstellung der Partner des Einkäufertages 2006: Dort präsentierten u. a. die Hoffmann Group, HealyHudson, der KSV1870, Canon, Wiesner Hager, curecomp, BrainNet und Jungheinrich ihre Angebote für Einkaufsabteilungen. Der Österreichische Einkäufertag 2006 wurde vom Forum Einkauf im ÖPWZ veranstaltet und von der Hoffmann Group als Sponsor unterstützt.




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