Hochspannung: Seekabel-Test mit 750.000 Volt
[31.10.2011]
Wissenschaftler der Uni Duisburg-Essen starten aufwendiges Experiment mit einem Seekabel.
Ein Seekabel sorgt an der Uni Duisburg-Essen für mächtig Hochspannung. Über 30 Meter lang, 25 cm dick und vier Tonnen schwer ist das Kabel, das in der Ostsee einen Windpark anschließen soll. Die Ingenieure des Fachgebiets Energietransport und -speicherung werden in aufwendigen Tests prüfen, ob es die 150.000 Volt, für die es gedacht ist, auch aushält. “Wir werden das Kabel auf Herz und Nieren prüfen”, so Jörg Honerla, Leiter des Hochspannungslabors der Universität Duisburg Essen, im Gespräch mit pressetext.
Allein die Anlieferung ist spektakulär: Ein Schwertransport bringt das ausladende Objekt an den Duisburger Campus. Dafür muss von 2. auf 3.November ab Mitternacht fünf Stunden lang die Oststraße gesperrt werden. Spezialmonteure des Herstellers werden die gigantische Kabelschlange in der Hochspannungshalle aufbauen. “Normalerweise benötigt man für den Experimentaufbau bei einem Landkabel bis zu fünf Tage, bei diesem Seekabel wird die Vorbereitung - unter anderem aufgrund des großen Biegedurchmessers - 14 Tage dauern”, sagt Honerla.
Richtig “unter Strom” sind die Wissenschaftler jedoch nicht. Für sie ist es ganz normal, mit bis zu zwei Mio. Volt zu experimentieren. “Der Test kann sowohl auf dem Land als auch unter Wasser erfolgen. Eine Untersuchung direkt unter See wäre aber zu aufwendig”, erklärt Honerla. Das Hochspannungslabor gehört eigenen Angaben zufolge zu den leistungsfähigsten bundesweit. “Wir setzen das Kabel drei Wochen lang mit 150.000 bis 750.000 Volt unter Strom, damit legen wir die doppelte Spannung an das Kabel”, betont der Wissenschaftler. Zum Vergleich: Eine Hochspannungsleitung in Europa hat eine Stromspannung von bis zu 400.000 Volt.
Zwar ist so ein Seekabel extrem robust gebaut, dennoch kann es passieren, dass es bei den strapaziösen Tests beschädigt wird. “Es ist entwickelt worden, um einen Offshore-Windpark ans Festland anzubinden. Das ist ein anspruchsvolles Projekt, in das Euros in zweistelliger Millionen-Höhe investiert werden. Der Stromnetzbetreiber braucht also Gewissheit, ob dieser Kabeltyp geeignet ist, bevor er Kilometer davon kauft”, erklärt Honerla. Noch vor Weihnachten liegen erste Ergebnisse vor.
(Quelle: pte)

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