Gerüchteküche
[05.03.2006]
“Haben Sie schon gehört: Der Mayer soll…” - wie oft haben Sie schon solche oder ähnliche Floskeln als Einleitung zu den neuesten, ultrageheimen Erkenntnissen über Kollegen und Wettbewerber gehört? Dabei bleibt die Quelle der vermeintlich brandheißen News meist im Verborgenen.
Gerüchte verbreiten sich effizient und schnell. Und sie können Informationen in Windeseile in entlegensten Winkel transportieren. Selbst Marketingstrategen haben sich mittlerweile diesem Phänomen angenommen und versuchen, die Ausbreitung von Gerüchten gezielt zu steuern, um neue Produkte geschickt zu lancieren.
Doch blickt man hinter die Kulissen, dann zeigt sich oft, dass Gerüchte weniger Information als Nicht-Information transportieren. Gerüchte treffen vor allem dort auf fruchtbaren Boden, wo Informationen fehlen. Sie fallen in ein Kommunikationsvakuum und füllen es mit Schein-Information auf. Besonders erfolgreiche Gerüchte basieren auf einem Körnchen Wahrheit und viel überzeugend vorgetragener Vermutung. So verbreitet sich ein Gerücht besonders gut..
Oder besser: Es wird weiterverbreitet! Denn es sind ja immer Menschen, die Gerüchte weitergeben und sogar ausschmücken. Sie sind es, die das Gerücht nähren und so dafür sorgen, dass es am Leben bleibt. Doch wo die Gerüchteküche brodelt, ist der Energiehaushalt aus dem Gleichgewicht. Und das tut Menschen wie Organisationen nicht gut.
Die gute Nachricht: Gerüchte kann man stoppen. Ganz einfach, indem man sich nicht an ihrer Entstehung und Weitergabe beteiligt. Man kann ihnen ihre negative Energie entziehen, indem man sie ausbremst. Treten Sie einen Schritt zurück und schauen Sie hinter die “Story”: Was ist der Kern, das Körnchen Wahrheit, das sich in dem Gerücht verbirgt? Welcher Informationsmangel forciert die Verbreitung? Und was könnte die ursprüngliche Intention gewesen sein, das Gerücht in die Welt zu setzen?
Vielleicht stößt man bei der Suche nach Antworten auf diese Fragen auf eine Wahrheit, die nicht attraktiv ist, aber dies sind dann jedenfalls Fakten und keine Vermutungen. Und anhand von Fakten lassen sich Lösungen entwickeln. Vielleicht stellt sich aber auch heraus, die Botschaft wurde auf ihrem Weg ins Gegenteil verkehrt, und es ist alles ganz anders.
Gelassenheit statt Dramatik, Klarheit statt Diffusität, lösungsorientierte Kommunikation statt Interprationen und Vermutungen - wer Gerüchte stoppt, tut sich selbst und seiner Umgebung etwas Gutes.

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