Gadget-Gier

[09.03.2008]

Gadget-Mania? Haben Sie schon oder suchen Sie noch? Die Must-Haves in High-Tech und Lifestyle versprechen Produktivität, Status und Spaß - und schon sind Spieltrieb und Jagdinstinkt geweckt.

Phones, Touches, das flachste, kleinste, leichteste Notebook der Welt, der PDA mit eingebautem Was-auch-immer, das handliche Grafiktablett für unterwegs ... Tag für Tag erfreuen uns die Medien mit Berichten zu den neuesten Gadgets.

Endlich ist sie da - die Lösung, um unsere Selbst- und Datenorganisation, den Workflow und die eigenen Kreativität endlich in den Griff zu bekommen. Alles schneller, leichter, besser und vor allem produktiver. Und spaßiger. Und überhaupt.

Das neue Apple Notebook ist so flach, dass man es in einen Briefumschlag packen und verschicken könnte! (Naja, ich verschicke meine Notebooks selten, aber wenn Mr. Jobs das auf der Bühne zeigt?) Mit dem USB-Raketenwerfer können Sie Ihre Kollegen beschießen (mit Plastikgeschossen, ferngesteuert). Und mit dem neuen MP3-Player können Sie endlich auch Notizen aufzeichnen und sich Karaoke-Texte zu Liedern einblenden - das eine perfekt für Vergessliche, das andere ideal für die nächste Büroparty!

Die Marketingexperten und Designer kennen sich gut aus in der Psychologie des Haben-Wollens: spielen und arbeiten heißt die Devise … oder besser “spielerisch arbeiten”. Produktivität ist das vorgebliche Thema, aber eigentlich geht es um den Spaß an der Sache. Und schon kann der Early Adopter es nicht mehr erwarten, das neue Gadget sein Eigen zu nennen.

Daran ist nun nichts Schlechtes, Kaufentscheidungen werden ja nicht immer rational getroffen, sondern folgen häufig dem Prinzip Jagen & Sammeln. Doch es erweist sich oft, dass gerade im Markt für Dinge zur Förderung der persönlichen Produktivität viele Versprechen nicht eingelöst werden. Die Produkte sind schön, fühlen sich gut an und machen eine Zeitlang Spaß, aber wirklich gebraucht werden sie nicht. Sie landen bald in einer Schublade und man denkt mit mehr oder weniger schlechtem Gewissen an das eventuell doch etwas vergeudete Budget. - Bis zum nächsten Mal, denn eines ist gewiss, die nächste Verlockung kommt bestimmt.

Wie wäre es mit einer Gegenbewegung: Also, weg mit dem schlechten Gewissen und zum Jagd- und Spieltrieb stehen. Und sich nicht genieren, im Meeting auf einem 40-Cent-Notizblock vom Papiersupermarkt die bahnbrechende Marketingstrategie zu notieren (alternativ auf Servietten, Bierdeckeln oder einem umgedrehten Kassabon). So ist es nämlich, die guten Ideen werden häufig an schlichtesten Orten geboren und mit einfachsten Mitteln dokumentiert.

Denn das eine hat wenig mit dem anderen zu tun: Kreativität, Produktivität und Effizienz hängen nicht immer davon ab, welche Mittel man verwendet, sondern davon, wie man das, was da ist, einsetzt. Und Spaß kann man trotzdem haben!




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