Experten rechnen mit weiterer Investitionswelle in Osteuropa

[22.10.2003]

Mit einer zweiten Welle ausländischer Direktinvestitionen in Osteuropa rechnen Experten der Hochschule für Unternehmensführung (WHU) Koblenz und der Kölner Unternehmensberatung EMC. Im Fokus der westlichen Investoren stünden vor allem die EU-Beitrittsländer Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien und - mit Rückstand - Polen.

Beachtliche Fortschritte machten auch die Länder Russland, Rumänien und Kroatien. Das geht aus einer Studie zum Thema “Topstandorte in Osteuropa” hervor, die vom manager magazin in Wien präsentiert wurde.



Die zweite Investitionswelle wird vorwiegend in bestehende Ballungsräume fließen. Die Studie nennt hier vor allem Zentral- und Südböhmen, Westungarn und den Großraum Budapest sowie die Regionen Bratislava und Kosice. In Polen ist neben Warschau besonders der oberschlesische Raum vielversprechend.

Insbesondere kleinere und mittelständische Firmen werden sich verstärkt auf etablierte Standorte konzentrieren, zumeist entlang der Westgrenzen der Beitrittsländer. Bei allen Kriterien der Wertschöpfungskette nehmen Tschechien, Ungarn und Slowenien die vordersten Plätze ein, was ihre Attraktivität als Standort anbelangt.

Deutschland sei mit 16 % der Foreign Direct Investments (FDI-Bestände) das bedeutendste Ursprungsland im Osten, gefolgt von den USA, Holland und Frankreich. Die Rolle österreichs (7 %) werde von den offiziellen Zahlen unterschätzt, sagten die Studienautoren.

Viele ausländische Multis steuerten ihr Engagement über österreichische Tochterfirmen. Besonders auffällig und eigens erwähnt: Die Schweiz ist als Investor in Osteuropa überhaupt nicht präsent.

Die Länder unterscheiden sich zum Teil deutlich hinsichtlich ihrer spezifischen Qualitäten. Während z.B. die Slowakei als Produktionsstandort gut abschneidet, eignet sich Polen vor allem als Absatz- und Beschaffungsmarkt.

Viele Firmen könnten die Potenziale der Standorte aber noch gar nicht vollständig nutzen, sagte Studienautor Dr. Georg Stadtmann von der WHO. In vielen osteuropäischen Ländern seien die Unternehmen überdies mit erheblichen Implementierungsproblemen konfrontiert, ergänzte EMC-Berater Henrik Hermann. “Viele Unternehmen haben ihre Strategien erst unzureichend auf den jeweiligen Standort eingestellt.”

Die Autoren der Studie nannten auch Gründe für die z.T. noch schwache Firmenperformance im Osten: Die starre, oft zentralistische Unternehmenskultur, das gering ausgebildete Personalmanagement und die schwache Kundenorientierung. Und kommen zur Schlussfolgerung, dass viele Firmen in den Ostländern noch über große Effizienzreserven verfügten, die westliche Unternehmer heben könnten.

Die Studie “Markterschließung und Expansion in den EU-Beitrittsländern Mittel- und Osteuropas (Teil 1: Wettbewerbsfähigkeit der Beitrittskandidaten, Teil 2: Branchenspezifische Fallstudien) steht kostenfrei zum Download zur Verfügung. http://www.manager-magazin.de/link/standortstudie [Quelle: pte.at]


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