EU-Erweiterung: Rumänien und Bulgarien

[03.12.2006]

Beitrittslaender Rumaenien und Bulgarien auf dem Weg in die EU-27Dr. Josef Vlcek, ERPS
Mit dem Beitritt von Rumänien und Bulgarien umfasst die EU ab 1. 1. 2007 27 Mitgliedsstaaten. In unserem Überblick legen wir einen besonderen Fokus auf die Wirtschaftskraft der neuen Mitgliedsstaaten und die Bedeutung der Länder für den Einkauf.

Die beiden im Südosten Europas gelegenen Länder gehörten zum kommunistischen Wirtschaftssystem. Allerdings erschöpfen sich damit auch schon die Gemeinsamkeiten, denn beide Staaten nahmen bis 1989/1990 geschichtlich und kulturell verschiedene Entwicklungen, die sich auch in jüngerer Vergangenheit fortgesetzt haben.

Rumänien

Dieser Staat grenzt im Westen an Ungarn (EU), im Norden an die Ukraine, im Osten an Moldavien und das Schwarze Meer, im Süden an Bulgarien (EU) und im Südosten an Serbien. Mit einer Fläche von 230.000 km² erreicht Rumänien fast die Fläche von Großbritannien (244.000 km²) und ist nach Polen (313.000 km²) der zweitgrößte neue Mitgliedsstaat der EU. Die Einwohnerzahl von 22 Mio. bestätigt diese Position (Polen 38 Mio.).

Damit wird Rumänien aufgrund der Einwohnerzahl in den Gremien der EU (jetzt 27) den 7. Platz nach Deutschland (82,5 Mio.), Großbritannien (60 Mio.), Frankreich (60 Mio.), Italien (58,5 Mio.), Spanien (43 Mio.) und Polen (38 Mio.) einnehmen und entsprechend vertreten sein.

Ein Vergleich des Bruttoinlandsproduktes (BIP) pro Einwohner weist Rumänien mit 7.600 Kaufkrafteinheiten und Bulgarien mit 7.400 die letzten Plätze in der EU zu. Selbst gegenüber den einkommensschwächsten Staaten der EU (25) wie Lettland (10.800) und Polen (11.600) besteht ein erheblicher Rückstand. Dies weist beiden Ländern Förderstatus als Zielgebiet 1 zu.

Rumänien sieht sich als nichtslawisches Land mit romanischer Sprache und lateinischer Schrift. Zur Bevölkerung zählen ungarische Minderheiten in Siebenbürgen und Roma-Gruppen.

Die Hauptstadt Bukarest mit 2,4 Mio. Einwohnern hat zentrale Funktion in Wirtschaft und Verwaltung des in 40 Landkreise eingeteilten Staates.
Rumänien verfügt über erhebliche Rohstoffreserven: Rohöl, Erdgas, Kohle, Buntmetallerze, Kaolin, Gold, Silber, Blei und Holz (27 % der Gesamtfläche Rumäniens ist Wald).

Die Ausbildung ist insbesondere in den technischen Branchen gut. Fremdsprachenkenntnisse sind in Ausweitung.

Die früheren Staatsbetriebe in den verschiedenen Sektoren wurden privatisiert oder geschlossen. Banken und Versicherungen sowie viele Unternehmen sind in ausländischer Hand, wurden modernisiert und werden marktwirtschaftlich geführt.

Durchgehende Reformen des Rechts- und Wirtschaftssystems sind vorgenommen. Weitere Anpassungen an die Vorgaben der EU, z.B. in der Verwaltung sind notwendig.

Die für den Warentransport notwendige Infrastruktur ist im Straßenbereich nur teilweise vorhanden, ein umfangreiches Bahnnetz besteht, sechs Donauhäfen sind durch den Donau-Schwarzmeer-Kanal mit dem Meereshafen Konstanza verbunden. Alle größeren Städte besitzen Flughäfen mit Flügen nach Westeuropa.

Der Staatshaushalt mit einer Neuverschuldung von 1,4 % (2006) und 2,6 % (2007) sowie eine Gesamtverschuldung von 13,7 % (2006) und 13,9 % (2007) des BIP entspricht gutem EU-Niveau.

Die Währung Leu ist stabilisiert und wurde dem Euro gegenüber sogar aufgewertet.
Die Inflation ist nach wie vor hoch (12 %), aber stetig rückläufig. Das Lohn- und Einkommensniveau ist tief.

Das Wirtschaftswachstum ist mit 6 % aufgrund der Exportsteigerungen von 10 % höher als in den Staaten der alten EU. Die Prognosen für die nächsten Jahre gehen von diesen Größenordnungen aus.

Rumänien bietet mit diesen Voraussetzungen gute Möglichkeiten für Investitionen, Einkauf und Absatz.

Bulgarien

Bulgarien ist mit einer Fläche von 111.000 km² und einer Bevölkerung von 7,8 Mio. wesentlich kleiner als Rumänien. Das Land grenzt im Norden an Rumänien (EU), im Osten an das Schwarze Meer, im Westen an Serbien, im Südwesten an Mazedonien (EU-Kandidat) und im Südosten an die Türkei (EU-Kandidat).
Die geografische Lage zeigt schon die Bedeutung als Transitland für die Türkei und den Nahen Osten.

Bulgarien ist geschichtlich und kulturell ein slawisches Land mit einer dem Russischen ähnlichen Sprache und zyrillischer Schrift.

Das Land hat erhebliche Minderheiten mit ca. 700.000 Türken, 500.000 Mazedoniern und Roma.

Die bulgarische Hauptstadt Sofia mit etwas über 1 Mio. Einwohner ist politisches, wirtschaftliches und administratives Zentrum des Landes. Daneben ist Plovdiv als Industrie- und Messeplatz von Bedeutung.

Bulgarien besitzt nur in geringem Umfang Bodenschätze: Silber-, Blei-, Zink- und Kupfererze, Kohle und Holz. Als Industriebetriebe sind Elektro-, Pharmafirmen und die Leichtindustrie von Interesse.

Die Landwirtschaft, früher ein Träger des Exports, ist stark zurückgefallen. Der Fremdenverkehr, insbesondere an der Schwarzmeerküste, hat sich gut entwickelt.

Die Infrastruktur ist im Straßenbereich besser als in Rumänien ausgebaut. Daneben besteht das Bahnnetz und es gibt Häfen an der Donau und am Schwarzen Meer. Sofia und Plovdiv besitzen internationale Flugverbindungen.

In den vergangenen Jahren wurden umfangreiche Reformen im Wirtschafts- und Rechtsbereich durchgeführt, die Privatisierung der Staatsbetriebe nahezu abgeschlossen. Ausländische Investitionen führten zu Modernisierung und marktwirtschaftlicher Ausrichtung. Banken, Versicherungen und wichtige Versorger sind in ausländischem Besitz. Die ausländischen Investitionen nützen das niedrige Lohn- und Einkommensniveau Bulgariens.

Der Ausbildungsstandard, besonders in den Städten und für technische Berufe, ist als gut zu bezeichnen.

Das Wirtschaftswachstum liegt mit 5,5 % über dem der meisten EU-25-Staaten. Größter Handelspartner ist traditionell Russland und Bulgarien ist für einen Eintritt in diesen Markt gut geeignet.

Der Staatshaushalt ist mit Neuverschuldungsraten von 3,3 % (2006) und 1,8 % (2007) sowie einer Gesamtverschuldung von 25,8 % (2006) und 21,8 % (2007) den EU-Vorgaben angepasst.

Die Währung Leva ist fix an den Euro gebunden. Die Inflationsrate erreicht 6 %.

Bulgarien bietet sich für Investitionen und als guter Markt für den Einkauf an.


Autor: Dr. Josef Vlcek, ERPS
Das ERPS (European Center for Research in Purchasing and Supply, Wien) ist ein nicht gewinnorientierter Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Studien auf dem Gebiet des Einkaufs und des Beschaffungswesens zu verfassen und zu publizieren, um damit Einkaufsmanagern in ihren beruflichen Tätigkeiten und Unternehmen eine Unterstützung anzubieten.




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