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Dem Risiko ins Auge blicken

[05.10.2004]

imageLieferanteninsolvenz: informieren und vorsorgen für den Ernstfall
Von Karina Matejcek

Im Jahr 2003 wurden mehr als 5500 Unternehmen in österreich insolvent, europaweit mehr als 150.000. Fällt ein Lieferant durch Insolvenz aus, hat das für ein Unternehmen mitunter gravierende Folgen in terminlicher, organisatorischer und natürlich in finanzieller Hinsicht. Wie kann man vorsorgen, damit die Insolvenz eines Lieferanten nicht im eigenen Unternehmen zu einer Krise führt?

Ein wesentlicher Faktor ist Information. Rechtzeitig Bescheid zu wissen, dass es kritisch werden könnte, ist unerlässlich, um Alternativen entwickeln zu können.

Doch schon im Vorfeld einer neuen Geschäftsbeziehung gehört das Einholen entsprechender Daten zu Bonität und wirtschaftlichem Status des künftigen Partners zu den Maßnahmen des eigenen Krisenmanagements. Instrumente können hier die Bankauskunft oder Wirtschaftsauskünfte von Kreditschutzverband und anderen Institutionen sein, die solche Daten recherchieren und gegen Gebühr zur Verfügung stellen.

Je stärker die Abhängigkeit von strategischen Lieferanten ist und je enger man mit diesen in der Supply Chain, in Forschung und Entwicklung oder in gemeinsamen Projekten verbunden ist, umso wichtiger ist das regelmäßige Monitoring, also die überwachung bestimmter Indikatoren der Geschäftstätigkeit des Partners.

Dieses Monitoring kann zum einen anhand interner Daten erfolgen: Termintreue, Einhaltung von Qualitätsstandards und andere Faktoren sollten beobachtet und änderungen mit seismografischem Gespür wahrgenommen werden: Handelt es sich um Einzelfälle? Ist eine Tendenz abzulesen? Geht der Lieferant einer Konfrontation aus dem Weg, wird abgewiegelt?

Welche Indizien verdienen erhöhte Aufmerksamkeit?

- Verantwortliche sind nur schwer erreichbar
- Starke Fluktuation oder merklicher Mitarbeiter-Abbau
- Qualitätsprobleme
- Terminprobleme
- Mangelhafte Reklamationsbearbeitung
- Mangelnde Loyalität der Mitarbeiter (“Tratsch” dringt zu Ihnen durch.)
- Unklare Verantwortungsbereiche und Zuständigkeiten
- Differenzen und Konflikte in der Führungsebene
- Häufige Fehler bei der Fakturierung und schlechtes Mahnwesen

Selbstverständlich müssen diese Indikatoren nicht auf eine drohende Insolvenz deuten, aber interne Konflikte, Fluktuation in Führungspositionen, mangelhaftes Rechnungswesen und allgemeine Kommunikationsstörungen weisen häufig auf Probleme hin, die bald auch Kunden betreffen könnten.

Neben diesen internen Daten aus der eigenen Beobachtung gibt es eine Reihe von externen Daten, die punktuell oder kontinierlich bei verschiedenen Auskunfteien abgerufen werden können. So bieten zum Beispiel der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) und andere Institutionen entsprechende Dienstleistungen. Für die längerfristige Beobachtung kann zu bestimmten wichtigen Lieferanten fix ein Monitoring eingerichtet werden.

Dieses “pusht” dann die Datensätze automatisch in die Informationssysteme des Unternehmens. So kann zum Beispiel im Rechnungswesen der tagesaktuelle Status des Lieferanten abgerufen werden. Auf diese Weise können Kundendaten wie Stammkapital, Funktionsträger, Gesellschaftsanteile, Firmenverknüpfungen, Jahresumsatz, Bankverbindung sowie Bilanzdaten und Bonitätsdaten wie Rating, Beurteilung, Zahlweise, Kreditrahmen, Negativinformationen, Informationen über Insolvenz aktuell überblickt werden.

Leider ist trotz aller Informationsdichte eine hundertprozentige Gewissheit kaum zu erlangen. Ob Bankauskunft oder Monitoring, ob interne Beobachtung von Veränderungen im Lieferantenverhalten oder eine gute Gesprächsbasis mit den Verantwortlichen: Es bleibt immer die Möglichkeit, dass ein Unternehmen ungeachtet der positiven Aussagen des Zahlenmaterials für Außenstehende völlig überraschend in die Krise schlittert.

Mit einem Krisenplan - der hoffentlich in der Schublade bleiben kann - können Sie den Schaden für Ihr Unternehmen jedenfalls mindern und die Situation rasch wieder in den Griff bekommen:

Gehen Sie regelmäßig potenzielle Schwachstellen Ihrer Lieferantenstruktur durch und entwickeln Sie Szenarien:

Was passiert, wenn Lieferant X ausfällt?
Woher bekommen Sie rasch Ersatz?
Welche Daten, Unterlagen, Maschinen, Werkzeuge befinden sich beim Lieferanten und wie kommen Sie im Krisenfall an diese heran?
Wer im Unternehmen ist über die Insolvenz eines Lieferanten zu informieren?
Welche Maßnahmen sind von wem zu entscheiden?
Wie wirkt sich die Insolvenz eines Lieferanten auf das momentane Tagesgeschäft aus: Was ist heute zu tun, zu veranlassen, welche Geschäftspartner sind zu informieren?
Wie werden laufende Aufträge fertig abgewickelt?
Wie sieht es mit Gewährleistungsfragen aus?
Wer im eigenen Unternehmen hat Grundlagenwissen zum Thema Insolvenz?
Welche internen und externen Fachleute (Rechnungswesen, Steuerberater, Juristen ...) stehen Ihnen zur Verfügung?

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser - und Absicherung durch den Plan B in Form eines alternativen Lieferanten oder sonstiger Maßnahmen kann in der Krise Ihr Projekt retten und ermöglicht Ihnen die rasche Umsetzung einer Alternativstrategie.

Informationsdienste und Websites - eine Auswahl:

Insolvenzdatei
www.edikte.justiz.gv.at

Kreditschutzverband von 1870 - KSV
www.ksv.at

Alpenländischer Kreditorenverband
www.akv.at

Creditreform - Wirtschaftsauskünfte
www.creditreform.at

Wisur - Wirtschaftsinformationen
www.wisur.at

KMU-Forschung (Bilanzdatenbank, Branchendaten)
www.kmuforschung.at

Einblicke in das Schicksal insolventer Kleinunternehmen, Informationen zum Thema Insolvenz und ein umfassendes Glossar zur Thematik bietet die Website www.unternehmer-in-not.at.




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