MEHR ÜBER...
zulieferer vertrieb verhandlung strategie nachfrage kosten innovation indien einkauf china
Automobilzulieferindustrie: Herausforderungen Klimaschutz und Asienkonkurrenz
[04.04.2011]
Neue Kostenbelastung in Milliardenhöhe ab 2013 durch Klimaschutz.
Auf Europas Automobilzulieferer kommen derzeit aus zwei Richtungen neue, existenzielle Herausforderungen zu. Zum einen in Form einer neuen Kostenwelle beim Klimaschutz; zum anderen durch neue Pflichten und Konkurrenz in den Emerging Markets. Darauf weist die Unternehmensberatung Management Engineers [ME] in einer aktuellen Studie hin. Sie sieht aber gute Chancen, dass die Zulieferunternehmen - gerade aus dieser doppelten Drucksituation heraus - neue Lösungen entwickeln und so auch künftig im globalen Wettbewerb ganz vorne mitfahren können.
Nach ihren signifikanten Fortschritten bei der Senkung des Flottenausstoßes steht den europäischen Autobauern eine zweite kostenintensive CO2-Herausforderung bevor. Auslöser sind veränderte Spielregeln im EU-Emissionsrechtehandel, die spätestens 2013 Wirkung zeigen werden.
Die Zulieferindustrie ist hiervon zwar nicht direkt betroffen, dafür aber indirekt umso mehr. Denn die unmittelbar tangierten Energieversorger und Rohmaterialproduzenten (z. B. Aluminium, Stahl, Kunststoffe) werden ihre Kostensteigerungen in Milliardenhöhe soweit wie möglich an dieses nächste Glied der automobilen Wertschöpfungskette weitergeben. Für ein einzelnes typisches Zulieferunternehmen resultieren daraus Mehrkosten in der Fahrzeugproduktion, die das Niveau seines aktuellen EBIT erreichen können - so zeigen es Berechnungen von ME. Um dieser existenziellen Kostenbelastung zu entkommen, können die Zulieferer in zwei Richtungen verhandeln - mit den OEMs und mit den europäischen Rohmaterialproduzenten.
Andreas Moritz, Automotive-Partner bei ME, beurteilt die Erfolgschancen wie folgt: “Die OEMs werden kaum Zugeständnisse machen, da sie selbst unter dem Diktat der überaus hart umkämpften Endkundenmärkte stehen. Und weil hier die Gesamt-Energiebilanz eines Fahrzeugs als Nachfragekriterium immer wichtiger wird, werden die Hersteller sogar noch verstärkte Carbon-Footprint-Anforderungen an ihre Zulieferer stellen.” Diese stehen damit letztlich sogar von zwei Seiten unter Druck: Kostenbewältigung und Innovationsleistung.
Immerhin bestehen für die Zulieferer gewisse Verhandlungschancen im Rohmaterialmarkt, denn die außereuropäischen Anbieter, die ja nicht von den neuen CO2-Mehrkosten belastet sind und somit günstiger produzieren können, werden den Wettbewerbsdruck für die europäische Konkurrenz nochmals erhöhen. Und wenn dies aus Sicht der Zulieferer nicht die gewünschte Preisflexibilität bringt, wird sich der schon bestehende Trend zu einem außereuropäischen Sourcing von Rohmaterial weiter verstärken. Verlierer wären die heimischen Anbieter dieser Materialien, die dann über Kapazitätsverlagerungen aus Europa heraus nachdenken müssten.
Zulieferer als Innovations-Navigator gefordert
Davon unabhängig müssen die europäischen Zulieferer ihre CO2-Innovationskraft nochmals erhöhen - und zwar im Hinblick auf das bekannte Ziel eines geringen Flottenausstoßes einerseits und auf die neue Herausforderung einer klimafreundlichen Fahrzeugproduktion andererseits. Zwingend notwendig ist dabei der ganzheitliche Blick über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs, wie ein Beispiel aus dem Leichtbau zeigt: Aluminium ermöglicht über sein niedriges Gewicht deutliche CO2-Vorteile in der Betriebsphase, ist aber in der Produktionsphase deutlich energieintensiver als beispielsweise alternative Kunststoffprodukte. Eine insgesamt CO2-sparende Alternative kann die Hybridbauweise sein, zum Beispiel mit Grundstrukturen aus hochfestem Stahl oder GFK in Kombination mit Kunststoffen für geringer belastete Bereiche.
Zulieferunternehmen, denen es gelingt, bei solchen produktionsstrategischen Fragestellungen die Rolle eines Innovations-Navigators einzunehmen, erhöhen ihre preisliche Verhandlungsmacht gegenüber den OEMs. Dies wiederum eröffnet Spielräume für eine neue Profitabilität auch unter verschärften Klimaschutzbestimmungen.
Pflichtprogramm Emerging Markets
Schon im Jahr 2015 wird weltweit jedes zweite Fahrzeug in Asien vom Band laufen, so die Einschätzung von ME. Vor allem China wird bis dahin mit einem Weltmarktanteil von 23 % zu einem neuen “Mekka” der Automobilproduktion. Das Reich der Mitte überflügelt damit nicht nur Nordamerika (17 %), sondern schließt sogar fast zu Europa (24 %) auf. Indien und weitere südasiatische Staaten gewinnen ebenfalls stark an Bedeutung, ebenso Südamerika.
Präsenz und Lieferfähigkeit in den Emerging Markets wird damit zum Pflichtprogramm für jedes ambitionierte Zulieferunternehmen: Pflicht im Sinne einer Angebotsstrategie, weil die großen OEMs nach ihren bewährten Zulieferpartnern vor Ort verlangen und Pflicht im Sinne einer Nachfragestrategie, weil künftig nur in diesen Märkten spürbares Wachstum stattfindet - allerdings unter ganz anderen Kriterien. Die Bezahlbarkeit und das Kosten-Nutzen-Verhältnis eines Automobils stehen dort an oberster Stelle. Deshalb müssen die europäischen Zulieferer eine neue Einfachheit verfolgen, um auf diesen Märkten preislich bestehen zu können.
Strategische Zerreißprobe und neue Konkurrenz
Low Cost für die Emerging Markets ist allerdings nur die eine Seite der künftigen Herausforderungen. Auf der anderen Seite stehen die technologisch anspruchsvollen Heimatmärkte, für die eine Steigerung der eigenen Innovationskraft auch weiterhin das oberste Ziel sein muss.
Dieser Spagat zwischen Low Cost und Hightech wird den Zulieferern nach Einschätzung von ME ein Maximum an Engagement und Investition abverlangen. Die strategische Ausrichtung, aber auch die operative Organisation, werden dadurch immer komplexer. Dies gilt für die Optimierung von Lieferketten und die Synchronisation von Prozessen ebenso wie für die Differenzierung von Vertriebsmodellen. Die großen europäischen Player können diese Herausforderungen stemmen, doch für kleine und mittelgroße Zulieferunternehmen kann dies zu einer strategischen Zerreißprobe werden.
Das gilt umso mehr, als der Wettbewerbsdruck auch in den Emerging Markets immer stärker wird. Die Zahl der chinesischen Zulieferer beispielsweise, die für europäische OEMs arbeiten, wächst stetig. Letztlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese auch in den europäischen Markt eintreten und hier eine neue Konkurrenz darstellen.
Bewährte Kompetenzen in neuen Allianzen global verankern
Die europäischen Zulieferer bringen nach Einschätzung von ME aber alle Voraussetzungen mit, um auch diese Herausforderungen zu bestehen. Sie agieren mit höchster Effizienz und Produktivität, verfügen über eine exzellente Technologiekompetenz, ein fortschrittliches Umweltbewusstsein und sind in höchstem Maße innovationsgetrieben. Noch ist ihr Scope allerdings zu stark auf die weitgehend stagnierenden Märkte Europas ausgerichtet, eine Positionierung als Global Player vielfach noch nicht gelungen. Hieran gilt es, zu arbeiten im Sinne eines globalen Rollout von Kompetenzen auf den internationalen Wachstumsmärkten.
Im Alleingang wird das allerdings nicht gelingen. Notwendig sind leistungsfähige Mitspieler vor Ort, beispielsweise auf den Feldern F+E, Einkauf sowie Fertigung und Vertrieb, die es im Zuge neuer Partnerschaften und Kooperationen zu gewinnen gilt. Europäische - und insbesondere deutsche - Firmen haben hierfür gute Ausgangspositionen und reelle Chancen, den Kurs dieser Allianzen maßgeblich mitzugestalten.
Über Management Engineers
Management Engineers [ME] arbeiten als Strategie- und Prozessberater für namhafte Unternehmen - von global ausgerichteten mittelständischen Firmen bis zu weltweit führenden Konzernen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1978 haben sich ME zu einer der größten Managementberatungen in deutscher Hand entwickelt. ME sind vor Ort präsent - mit Büros in Europa, Nord- und Südamerika und Asien.
(Quelle: PM Management Engineers)

ÖPWZ-
Seminartipps
Wie moderne Einkäufer das Internet nutzen, Wien, Dipl.-BW Matthias Lassen
20.6.12Das Wesentliche aus Bilanz- und Gu V für Einkäufer, Wien, MMag. Martin Nußbaumer
25. - 29.6.12&Oauml;PWZ-Einkäufer-Akademie, Diplomkurs, Bad Ischl, Referententeam
4. - 6.7.12Der Verhandlungsprofi, Wien, Dipl.-Ing. Jörg Köck
Buchtipps

Carl Naughton
Entscheiden, Urteilen, Probleme lösen, ohne in die üblichen Denkfallen zu tappen


Andreas Stollenwerk
Der Einkäufer von morgen: Kaufmann und Verhandlungsexperte, Ingenieur und Ideengeber.

Neu auf dem Chefsessel, Peter Fischer

Leise Menschen, starke Wirkung, Sylvia Löhken

Business Englisch für Dummies, Lars M. Blöhdorn, Denise Hodgson-Möckel
mehr Buchtipps...
Messekalender
e_procure & supply, Nürnberg21.05.2012 - 25.05.2012
SENSOR+TEST, Nürnberg22.05.2012 - 24.05.2012
Internationale Konsumgütermesse (CICGF), Ningbo, China08.06.2012 - 11.06.2012
transfairlog, Hamburg12.06.2012 - 14.06.2012
ergänzende Infos + weitere Termine...

